Befristeter Arbeitsvertrag: Diese Gründe sind für eine Befristung zulässig
Wusstest du, dass rund 7 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland befristet beschäftigt sind? Gerade junge Talente zwischen 25 und 35 Jahren starten oft mit einem Zeitvertrag. Ein Problem? Nicht unbedingt, denn die Befristung hat auch ihre Vorteile. Beschäftigte bleiben beruflich frei und flexibel, probieren sich in verschiedenen Abteilungen aus, sammeln Erfahrungen und erweitern ihren Lebenslauf um wertvolle Stationen. So ist für viele das unbefristete Arbeitsverhältnis längst kein Muss mehr.
Befristeter Arbeitsvertrag: Was hat das zu bedeuten?
Bei einem befristeten Arbeitsverhältnis ist die Beschäftigung zeitlich begrenzt. Sobald die Frist abläuft, erlischt das Arbeitsverhältnis automatisch. Das erspart Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Kündigung.
Welche Befristungen gibt es beim Arbeitsvertrag?
- Kalendermäßige Befristung
Ein Arbeitsvertrag darf laut Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) auf insgesamt zwei Jahre befristet sein – sofern der Arbeitgeber keinen Sachgrund nennt. Anders sieht es bei Start-ups aus. Da die wirtschaftliche Situation in den ersten Jahren nach der Gründung oft besonders fragil ist, sind hier bis zu vier Jahre Befristung erlaubt.
- Befristung mit Sachgrund
Beim befristeten Vertrag mit Sachgrund (Zweckbefristung) muss das Unternehmen einen konkreten Grund für das zeitlich beschränkte Beschäftigungsverhältnis angeben. Erlischt dieser Sachgrund, endet auch das Arbeitsverhältnis. Das musst du als Arbeitgeber aber zuvor rechtzeitig schriftlich mitteilen.
Typische Sachgründe für eine Zeitbefristung
- Ein Angestellter vertritt einen anderen Arbeitnehmer, zum Beispiel während einer längeren Krankheitsphase, der Elternzeit oder im Sabbatical.
- Ein Mitarbeiter unterstützt seinen Arbeitgeber im Rahmen eines temporären Projekts, das Mehrarbeit erfordert. Dabei kann es sich um ein Filmprojekt, eine Forschungsarbeit, einen Schlussverkauf oder eine geplante Betriebsschließung handeln.
- Ein Arbeitnehmer tritt die befristete Position aus persönlichen Gründen Das kann ein Ferienjob in den Semesterferien, eine Tätigkeit bis zum Auslauf der Aufenthaltserlaubnis oder ein Minijob vor dem Renteneintritt sein.
- Auch über Drittmittel finanzierte Positionen gelten als Zweckbefristung, zum Beispiel als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Hochschule.
- Der Angestellte absolviert ein Ausbildungsprogramm wie ein Traineeship oder ein Volontariat. Schlägt er sich gut, winkt ihm oft ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
Kündigung eines befristeten Arbeitsverhältnisses
Eine vorzeitige Kündigung im Falle eines befristeten Arbeitsvertrages ist in der Regel nicht vorgesehen. Nach Ablauf der Frist endet die Beschäftigung automatisch. Doch es gibt Ausnahmen:
- Bei schweren Pflichtverletzungen wie Diebstahl oder Beleidigung seitens des Arbeitnehmers darf der Arbeitgeber eine außerordentliche fristlose Kündigung aussprechen.
- Bei schweren Pflichtverletzungen seitens des Arbeitgebers wie verzögerte Entgeltzahlungen oder Urlaubsverweigerung darf der Arbeitnehmer eine fristlose außerordentliche Kündigung aussprechen.
In Ausnahmefällen lässt sich ein befristeter Arbeitsvertrag auch ordentlich kündigen:
- Der befristete Arbeitsvertrag gewährt ausdrücklich eine ordentliche Kündigung vor Ablauf der Frist.
- Das Unternehmen meldet Insolvenz
Nach dieser Regelung endet das Arbeitsverhältnis erst nach Beendigung der Kündigungsfrist, die für gewöhnlich zwischen drei und sechs Monaten dauert.
Dürfen Unternehmen einen befristeten Arbeitsvertrag nach Ablauf verlängern?
- Die sachgrundlose Befristung
Der Arbeitgeber hat das Recht, einen befristeten Arbeitsvertrag ohne sachlichen Grund zu verlängern, jedoch nur maximal dreimal. Wichtig ist, dass er die Dauer von 24 Monaten nicht überschreitet.
Beispiel: Ein Arbeitnehmer erhält einen Vertrag mit sachgrundloser Befristung für neun Monate. Bei einer ersten Verlängerung kommen fünf Monate hinzu, bei einer zweiten Verlängerung nochmal fünf Monate. Nun ist nur noch eine letzte Verlängerung ohne sachlichen Grund von fünf Monaten zulässig, um unter der maximalen Dauer von zwei Jahren zu bleiben.
- Die Befristung mit Sachgrund
Gibt es einen sachlichen Grund für die Befristung, darf der Arbeitgeber den Vertrag beliebig oft verlängern. Man spricht hier von einer Kettenbefristung. Doch Vorsicht: Nicht selten missbrauchen Unternehmen die Kettenbefristung, um Mitarbeiter in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis zu halten. Das solltest du als Arbeitgeber vermeiden:
- Den Arbeitnehmer einen überdurchschnittlich langen Zeitraum von über acht Jahren befristet im Unternehmen anstellen.
- Die Zahl der Verlängerungen überdurchschnittlich hoch halten. Kritisch wird es ab rund 12 Verlängerungen.
In diesem Fall darf der Mitarbeiter seinen befristeten Vertrag vorsorglich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen.
Welche Besonderheiten gibt es beim befristeten Arbeitsvertrag?
Eine Besonderheit betrifft die Probezeit: Setzt du in einem befristeten Vertrag eine Probezeit fest, muss ihre Dauer im Verhältnis zur Dauer des Beschäftigungsverhältnisses stehen. Seit dem 01.08.2022 steht diese Sonderregelung in § 15 Absatz 3 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG).
Die exakte Dauer der Probezeit sorgte dabei schon des Öfteren für rechtliche Unstimmigkeiten. 2023 setzte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein im Falle einer einjährigen Befristung sechs Monate als Probezeit an. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg kam 2024 zu einem anderen Urteil: Ist ein Arbeitsverhältnis auf ein Jahr begrenzt, darf die Probezeit nicht mehr als 25 Prozent der Gesamtdauer betragen – also nicht mehr als vier Monate.
Außerdem gibt es eine besondere Regelung im Falle einer Schwangerschaft: Mit Ende des Zeitvertrags endet trotz Schwangerschaft auch das Beschäftigungsverhältnis. Der besondere Umstand verlängert den Vertrag nicht automatisch. Zudem ist der Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, das befristete zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis umzuwandeln.
Vor einer Kündigung ist die werdende Mutter aber auch mit einem befristeten Arbeitsvertrag geschützt. So schreibt es § 17 des Mutterschutzgesetzes vor. Von Beginn der Schwangerschaft an bis vier Monate nach der Geburt darf der Arbeitgeber keine Kündigung aussprechen.
So gestaltest du einen rechtssicheren befristeten Arbeitsvertrag
Nur ein befristeter Arbeitsvertrag in Schriftform gilt rechtlich als wirksam. Verträge, die entweder mündlich oder per E-Mail oder WhatsApp geschlossen wurden, kommen einem unbefristeten Arbeitsverhältnis gleich. Beide Parteien, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, müssen das offizielle Dokument vor Antritt der Erwerbstätigkeit unterzeichnen.
Auch du denkst als Arbeitgeber gelegentlich über befristete Arbeitsverträge nach? Dann kann es sinnvoll sein, offene Stellen befristet auszuschreiben und passende Kandidaten für zeitlich begrenzte Einsätze zu gewinnen. Du kannst einfach und schnell deine aktuellen Jobangebote auf unserer Plattform jobs.inFranken.de schalten und qualifizierte Mitarbeiter für dein Unternehmen auf Zeit finden. Schließlich können befristete Beschäftigungen eine flexible Alternative zum unbefristeten Arbeitsverhältnis sein.