Die verschiedenen Ausbildungswege im Überblick!

Artikel von: Stefan Zinke
Mit unserer Hilfe behälst du den Überblick im Ausbildungsdschungel. ©M Moller/peopleimages.com, Adobestock.com

Woran denkst du, wenn du das Wort Ausbildung hörst? An ein halbes Jahr Berufsschulunterricht und ein halbes Jahr Praxis im Betrieb? An theoretischen und praktischen Unterricht in einer Berufsfachschule oder doch etwas ganz anderes? Es führen bekanntlich viele Wege zum Ziel, auch in der Ausbildung. Wir präsentieren dir die verschiedenen Ausbildungswege, damit du den richtigen Weg für dich findest!

Der Klassiker: Die duale Ausbildung

Die duale Ausbildung ist wohl der Berufsweg, den sich die meisten vorstellen, wenn von Ausbildungen die Rede ist. Sie erfolgt in einem Betrieb und der Berufsschule zugleich. Dadurch wird dir zeitgleich praktisches und theoretisches Wissen zum gewählten Beruf vermittelt.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Es gibt keinen bestimmten Schulabschluss, den du für eine betriebliche Ausbildung benötigst. Die Ausbildungsbetriebe können selbst festlegen, welchen Abschluss ihre Azubis haben sollten. Das ist in der Regel ein Hauptschulabschluss, jedoch ist auch in manchen Fällen ein Ausbildungsplatz ohne Schulabschluss zu haben.

Je nach Berufsfeld kann deine Ausbildung zwei bis dreieinhalb Jahre dauern. Mit dem entsprechenden Schulabschluss kannst du diese Zeit sogar verkürzen. Während deiner Ausbildung bekommst du als Azubi ein vertraglich festgelegtes Gehalt, welches je nach Beruf und Betrieb unterschiedlich ausfallen kann. Dein Ausbildungsabschluss ist staatlich anerkannt.

Ganz theoretisch: Die schulische Ausbildung 

Es gibt zahlreiche Berufe, die du nur in der Schule erlernst, eine sogenannte schulische Ausbildung. Vor allem im gesundheitlichen und sozialen Bereich sind sie weitverbreitet. Sie finden meist an Berufsfachschulen, Berufskollegs oder Fachakademien statt. Als Azubi verbringst du hier die meiste Zeit mit Unterricht, in dem die dir theoretisches Wissen aneignest. Praktisches Wissen erarbeitest du dir vorwiegend durch zahlreiche Praktika.

Zulassungsbeschränkungen in der schulischen Ausbildung

Je nach Bundesland, Beruf und Schule kann es sein, dass du gewisse Zulassungsbedingungen erfüllen musst. Wegen rechtlicher Regelungen wird von den meisten Schulen ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt. Es gibt jedoch auch schulische Ausbildungen, die du mit einem Hauptschulabschluss absolvieren kannst.

Je nach Beruf und Bundesland dauert die schulische Ausbildung zwischen einem und dreieinhalb Jahren. Sie wird in der Regel nicht vergütet, obwohl manche Praktika eventuell ein gewisses Grundgehalt gewähren. Die Ausbildung an einer staatlichen Berufsfachschule oder einem Berufskolleg ist kostenlos. Lediglich für Lehr- und Lernmittel können hier Kosten anfallen. Wenn du jedoch eine Ausbildung an einer privaten Berufsfachschule anfangen möchtest, kommen entsprechende Kosten auf dich zu. Hier hast du eventuell Anspruch auf BAföG-Förderung.

Für wen welche Ausbildung geeignet ist

Die duale Ausbildung passt besonders gut zu dir, wenn du gerne praktisch arbeitest und schnell in das Berufsleben einsteigen möchtest. Du fandest Schule immer öde und bevorzugst einen Lernansatz, der direkt in den Arbeitsalltag eingebunden ist. Du willst dein eigenes Geld verdienen, so schnell wie möglich und findest es motivierend, direkte Ergebnisse zu sehen. Du übernimmst direkte Verantwortung und erhältst schon früh die nötige Praxiserfahrung, die für die Arbeitswelt so entscheidend ist.

Die schulische Ausbildung ist eher etwas für dich, wenn du dich in einer klassischen Unterrichtssituation wohlfühlst, dir intensives, theoretisches Lernen leichtfällt und du dich auf Berufe vorbereitest, in denen Fachwissen und schulische Inhalte eine große Rolle spielen. Dies ist zum Beispiel im sozialen oder gesundheitlichen Bereich der Fall.

Sicherheit für später: Mit welcher Ausbildung wird man Beamter?

Wenn du Beamter werden willst, machst du deine Ausbildung in einem sogenannten „Vorbereitungsdienst“. Hier wird grundsätzlich zwischen technischem und nichttechnischem Dienst unterschieden. Je nach deinem Schulabschluss kannst du eine Beamtenlaufbahn im einfachen, mittleren, gehobenen oder höheren Dienst einschlagen.

Als Beamter im mittleren nichttechnischen Dienst hast du sachbearbeitende und verwaltende Aufgaben, beispielsweise beim Zoll oder im Justizdienst. Als Beamter im mittleren technischen Dienst hast du meist Messungs-, Aufsichts- oder Kontrollaufgaben, beispielsweise im feuerwehrtechnischen Dienst oder bei der Gewerbeaufsicht. Für eine Beamtenlaufbahn im mittleren Dienst wird überwiegend auch ein mittlerer Bildungsabschluss verlangt.

Wie lange dauert eine Ausbildung zum Beamten?

Die Ausbildung dauert in der Regel zwischen zweieinhalb und drei Jahren. Vom Aufbau her ähnelt der Vorbereitungsdienst der dualen Ausbildung, mit einem praktischen und einem theoretischen Teil in sogenannten Verwaltungsschulen.

Doppelt gemoppelt: Zwei Abschlüsse auf einmal 

Wenn du ein abgeschlossenes Abitur hast, aber trotzdem eine Ausbildung machen willst, dann besteht für dich die Möglichkeit, eine Doppelqualifizierung zu absolvieren. Hier erwirbst du zwei Abschlüsse auf einmal. Diese Art von Ausbildung wird auch gerne „Abiturientenausbildung“ genannt.

Bei einer Doppelqualifizierung es sich vorwiegend um eine kaufmännische Ausbildung. Beispielsweise hast du die Möglichkeit, bei der Ausbildung zum Kaufmann/zur Kauffrau im Einzelhandel noch eine weitere Ausbildung, beispielsweise zum Handelsfachwirt, zu machen. Auch im handwerklichtechnischen Bereich werden solche Ausbildungen angeboten.

Dauert die doppelte Qualifizierung länger?

In der Regel übermittelt dir ein staatlich beauftragter Bildungsträger in Zusammenarbeit mit deinem jeweiligen Unternehmen die zusätzlichen theoretischen Inhalte für die beiden Abschlüsse. Länger als bei einer normalen Ausbildung brauchst du hierfür nicht. In der Regel dauert die Doppelqualifizierung drei Jahre.

Finanzierung, Perspektiven, Orientierung – Wie du planen kannst

Wenn du dich für eine duale Ausbildung entscheidest, dient deine Ausbildungsvergütung als wichtigste Einnahmequelle. Je nach Branche, Tarif und Betrieb schwankt die Vergütung allerdings enorm. Es besteht oft die Möglichkeit, durch Überstunden oder Schichtzuschläge etwas mehr zu verdienen. Wenn du noch unter 18 Jahre bist, darfst du maximal 44 Stunden im Monat arbeiten, wenn im Zwei-Monats-Schnitt wieder 40 Stunden erreicht werden. Als volljähriger Azubi kannst du bis zu 48 Stunden pro Woche arbeiten. Die Mindestvergütung für Azubis liegt aktuell (Stand 2025) bei:

  1. Lehrjahr: 682 € brutto/Monat
  2. Lehrjahr: 805 € brutto/Monat
  3. Lehrjahr: 921 € brutto/Monat
  4. Lehrjahr: 955 € brutto/Monat

Als Auszubildender hast du häufig eine erhöhte Chance auf die betriebliche Übernahme, Wartezeiten und damit verbundener Geldmangel lassen sich somit vermeiden.

Die schulische Ausbildung

Da in der schulischen Ausbildung üblicherweise keine Vergütung gezahlt wird und teilweise Schulgeld oder Materialkosten anfallen, muss der Lebensunterhalt anderweitig finanziert werden. Neben einem finanziell gut aufgestellten Elternhaus oder einem Nebenjob, der sich oft nur schwer mit den Arbeitszeiten und Lernphasen der Ausbildung vereinbaren lässt, solltest du dir frühzeitig überlegen, wie du deine monatlichen Kosten decken kannst.

Oftmals steht dir Schüler-BAföG zur Verfügung, welches du rechtzeitig beantragen solltest. In seltenen Fällen kannst du auch von einem Stipendium oder speziellen Förderprogrammen profitieren. Wichtig ist, dass du dich früh informierst, Unterlagen sammelst und realistisch planst, wie du Miete, Fahrtkosten und Lernmittel finanzieren möchtest.

Doppelqualifizierung und Beamtenausbildung

Bei der Doppelqualifizierung erhältst du in der Regel eine Vergütung ähnlich wie in einer klassischen dualen Ausbildung, musst aber mit einer höheren Belastung rechnen, wodurch kaum Zeit für einen Nebenjob bleibt.

In der Beamtenausbildung bekommst du bereits während des Vorbereitungsdienstes eine feste Anwärterbezahlung, die dir eine relativ stabile finanzielle Basis bietet. Dadurch kannst du deinen Alltag, Fahrtkosten und Lernmittel meist besser kalkulieren und musst seltener auf Nebenjobs zurückgreifen.