Deshalb solltest du dich als Handwerker in Franken selbstständig machen

Artikel von: Lisa Haderlein, Stefan Zinke
Selbstständigkeit im Handwerk: Freiheit und Verantwortung, um eigene Projekte zu verwirklichen und das Handwerk auf individuelle Weise zu gestalten. ©mavoimages, Adobestock.com

Das Thema Selbstständigkeit geht dir nicht aus dem Kopf, du möchtest endlich selbst bestimmen und dein eigener Chef sein? Es gibt viele gute Gründe, warum du als Handwerkerin oder Handwerker den Schritt in die Selbstständigkeit wagen solltest.

Vom Holzhandwerk bis zur Elektrotechnik

Mit einem Beruf im Handwerk bist du in verschiedensten Bereichen direkt daran beteiligt, die Bedürfnisse von unterschiedlichen Menschen zu bedienen und dabei Neues zu schaffen. Zusätzlich hast du in diesem Bereich große Zukunftschancen, denn Handwerkerinnen und Handwerker werden immer gebraucht.

Als Angestellte oder Angestellter sind dir und deinem Können im Betrieb jedoch Grenzen gesetzt, sowohl auf finanzieller Seite als auch in gestalterischer Freiheit. Wenn du dich selbstständig machst, kannst du diese Grenzen durchbrechen, du bist jedoch auch für dich selbst verantwortlich. Wenn du den Schritt in die Selbstständigkeit wagst, hast du vor allem mehr Freiheiten, größere finanzielle Möglichkeiten und einen größeren Gestaltungsspielraum.

Du bist noch unsicher? Hier sind einige Gründe, warum du dich als Handwerkerin oder Handwerker selbstständig werden solltest.

Dein eigener Chef sein, dank der Selbstständigkeit

Nicht jeder kann mit jedem zusammenarbeiten. Wenn du deine eigene Chefin oder dein eigener Chef bist, kannst du selbst darüber entscheiden, wie Dinge angegangen werden sollen und auch deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigenständig auswählen. Dazu kommt jedoch auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung für dein Unternehmen. Deshalb solltest du vor allem eine große Leidenschaft für deinen Beruf mitbringen. Gleichzeitig kannst du selbst darüber bestimmen, wie, wo und wann du arbeiten möchtest.

Chancen in der Selbstständigkeit ausschöpfen

Wenn du davon überzeugt bist, dass du deine Fähigkeiten im Handwerk gut beherrscht, stehen dir in der Selbstständigkeit viele neue Türen offen. Beispielsweise kannst du selbst entscheiden, welche Aufträge du annimmst und wie du diese umsetzt. Dazu kommt: Gute Handwerker werden aktuell immer mehr gesucht. Bei vielen Unternehmen sind die Wartelisten daher sehr lang. Wenn du dich also selbstständig machst, kannst du dir größere finanzielle Möglichkeiten erhoffen. Außerdem kannst du dich beruflich in die Richtung entfalten, die du gerne einschlagen möchtest.

Dein eigenes Unternehmen aufbauen

Unternehmerin oder Unternehmer werden ist dein Traum? Die Selbstständigkeit im Handwerk führt dich dort hin. Ob du einen Ein-Personen-Betrieb gründest und dich dort spezialisierst, oder mit einem handwerklichen Betrieb durchstartest, kannst du selbst entscheiden. Wenn du eine gewisse Eignung sowie Unternehmensgröße vorweist, kannst du in deinem Betrieb sogar selbst ausbilden und so auch dem Nachwuchs die Hand reichen.

Finanzielle Möglichkeiten

Als selbstständige Person können deine Einnahmen sehr unterschiedlich ausfallen. Wenn du jedoch deine Zielgruppe gut kennst und dein Handwerk sehr gut beherrschst, hast du gute Aussichten darauf, dass du viele Aufträge bekommst. Deine finanziellen Möglichkeiten werden natürlich auch von weiteren Faktoren, wie etwa der Unternehmensgröße, der Anzahl der Mitarbeitenden sowie deinem Startkapital beeinflusst.

Generell gilt, dass selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker monatlich zwischen 2.000 und 2.700 Euro verdienen. In den ersten Jahren nach der Gründung verdienen viele jedoch gerade genug, um die Fixkosten zu decken. Aus diesem Grund sind nicht nur deine handwerklichen Fähigkeiten gefragt, sondern auch dein Wissen im kaufmännischen Bereich sowie ein gutes und zuverlässiges Netzwerk.

Außerdem solltest du beachten, dass neben den einmaligen Gründungskosten (z. B. für die Gewerbeanmeldung und den Kauf von benötigten Maschinen oder Geräten) auch laufende Kosten (z. B. Miete, Versicherungsbeiträge, Mitgliedsbeiträge) auf dich zukommen.

Persönliche Weiterentwicklung

Selbstständig zu sein ist nicht immer einfach und erfordert vor allem Disziplin und die Bereitschaft, sich in verschiedenen Bereichen, wie etwa Finanzen und Steuern, mehr Wissen anzueignen. Du musst zusätzlich viel über eine gute Zeit- und Finanzplanung sowie unterschiedlichen Soft Skills lernen. Deshalb gehört zur Selbstständigkeit auch die persönliche Weiterentwicklung, um immer neue Probleme lösen zu können sowie sich stetig weiterzubilden.

Abwechslung

Neue Herausforderungen, wechselnde Kunden und stetige Weiterentwicklungen im Handwerk: Diese Aspekte werden dich als Selbständige und Selbstständiger auf jeden Fall begleiten. Aus diesem Grund solltest du vor Abwechslung nicht Halt machen und diese sogar begrüßen. Eins steht fest: In der Selbstständigkeit wird dir definitiv nicht langweilig werden.

Verantwortung übernehmen

Einen eigenen Betrieb zu führen, bedeutet auch viel Verantwortung zu übernehmen. Wenn du als Angestellte oder Angestellter das Gefühl hast, mehr Verantwortung übernehmen zu wollen, dann ist der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige Weg. Jedoch gehört hierzu auch die Verpflichtung, für sich selbst verantwortlich zu sein sowie eine gute finanzielle Planung und die Bereitschaft, sich um jeglichen Papierkram zu kümmern.

Das solltest du vor deiner Existenzgründung wissen

Bevor du dich selbstständig machst, solltest du sicher sein, dass du dafür alle Anforderungen erfüllst. Die Voraussetzungen variieren je nach deinem Beruf im Handwerk, du solltest dich also vorher spezifisch zu deinem Berufsfeld informieren.

Diese Voraussetzungen solltest du vor deiner Existenzgründung erfüllen:

  • Meisterbrief: Viele Berufe (z. B. Bäcker, Metzger, Parkettleger, Dachdecker) setzen vor der Selbstständigkeit einen Meisterbrief voraus. Die Kosten für die Meisterausbildung liegen je nach Beruf zwischen 3.000 und 9.000 Euro und benötigen zwischen 1 und 3,5 Jahre bis zum Abschluss. Mit einem Aufstiegs-BAföG können die Kosten allerdings reduziert werden.
  • Hoch- oder Fachschulabschluss: Wenn du einen einschlägigen Hoch- oder Fachschulabschluss vorweisen kannst, benötigst du keinen Meisterbrief, um dich selbstständig zu machen. Gleiches gilt übrigens, wenn du nach deinem Gesellenabschluss mindestens 6 Jahre Berufserfahrung in deinem Handwerk vorweisen kannst und von diesen mindestens 4 Jahre in einer leitenden Position angestellt warst.
    Gut zu wissen: In diesen Fällen brauchst du eine Ausübungsberechtigung der Handelskammer, um dich selbstständig zu machen.

Die Konkurrenzanalyse und Marktverhältnisse

Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Existenzgründung ist nach wie vor die Analyse der eigenen Konkurrenten und des potenziellen Interesses an den eigenen Produkten. Du solltest dir bewusst sein, dass in Franken bereits viele etablierte Handwerksbetriebe existieren, mit denen du letztendlich konkurrieren musst. Beobachte, wo es Versorgungslücken gibt, beziehungsweise was dich von den Konkurrenzfirmen abhebt.

Nutze hierfür regionale Datenquellen, wie die Handwerkskammern, die oft Statistiken und Marktanalysen bereitstellen. Besonders hilfreich sind auch Branchenmessen oder Netzwerktreffen in der Region, bei denen du dich mit anderen Handwerkern austauschen und Trends erkennen kannst.

Trends im Handwerk im Blick behalten

Ein gründlicher Blick auf die Konkurrenzlandschaft in Franken ist essenziell, um eine Nische zu finden und sich erfolgreich zu positionieren. Analysiere, welche Dienstleistungen oder Produkte in deiner Region besonders gefragt sind und ob es Bereiche gibt, die bisher nicht ausreichend abgedeckt werden. Solche Versorgungslücken könnten beispielsweise spezialisierte Angebote wie nachhaltige oder maßgeschneiderte Lösungen sein, die von etablierten Betrieben noch nicht angeboten werden.

Gerade in Franken, wo viele Betriebe auf Tradition und langjährige Erfahrung setzen, kann dir ein frischer Ansatz mit modernen Konzepten, wie der Nutzung digitaler Tools oder nachhaltiger Materialien, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bieten. Initiativen wie das „Kompetenzzentrum Digitales Handwerk“ in Bayreuth bieten speziell für fränkische Handwerksbetriebe Schulungen und Beratung zur digitalen Transformation an.

Fördermöglichkeiten

Wenn du dich für die Selbstständigkeit entscheidest, unterstützt dich beispielsweise die Handelskammer bei deiner Existenzgründung. Wenn du auf der Suche nach Weiterbildungsprogrammen und Schulungen zur Selbstständigkeit im Handwerk bist, findest du diese bei der Agentur für Arbeit.

Weiterhin hast du in Bayern die Möglichkeit, einen Meisterbonus zu erhalten. Wenn dein Hauptwohnsitz oder dein Beschäftigungsort in Bayern liegt, hast du mit der erfolgreich bestandenen Meisterprüfung Anspruch auf 2.000 Euro.

Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du dich für die Selbstständigkeit entscheidest:

  • Hast du alle Qualifikationen, die du vorher benötigst?
  • Hat deine Geschäftsidee auch in Zukunft noch Bedarf?
  • Liegen dir alle Informationen für deinen Businessplan vor?
  • Wie finanzierst du dich? Kannst du Fördermittel oder Kredite beantragen?
  • Wer könnte dich bei der Existenzgründung unterstützen? Wo bekommst du wichtige Informationen?
  • Wie sieht deine Zielgruppe aus? Wie bedienst du am besten deren Bedürfnisse?
  • Welche Rechtsform soll dein Unternehmen haben (z. B. Einzelunternehmen (EU), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH))?
  • Hast du schon alle nötigen Anmeldungen bei einer Selbstständigkeit im Handwerk erledigt (z. B. Gewerbeanmeldung, Eintrag im Handelsregister oder bei der Handwerkskammer, Mitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft, Sozialkassenanmeldung, Betriebsnummer)

Ob du für den Schritt in die Selbstständigkeit bereit oder geeignet bist, musst du selbst entscheiden. Fakt ist, dass dort viele unterschiedliche Möglichkeiten auf dich warten. Jedoch musst du auch deine finanziellen Aspekte und persönlichen Ziele im Auge behalten.

Rechtliche Aspekte

Wenn du planst, dich selbstständig zu machen, solltest du dir im Klaren sein, welche rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Anforderungen auf dich zukommen, um dein Unternehmen erfolgreich aufzubauen und langfristig zu führen. Bereits vor Beginn der selbstständigen Tätigkeit ist eine Anmeldung des Gewerbes bei der für dich zuständigen Behörde vonnöten. Jede Stadt verfügt über ein eigenes Gewerbeamt. Die Anmeldung kann oftmals schriftlich oder online stattfinden. Für die Anmeldung wird dein Ausweis oder Reisepass und eine Beschreibung der ausgeführten Tätigkeit benötigt. Eine Kopie deines Meisterbriefs solltest du ebenso einreichen. Die Gebühren belaufen sich meist auf 20 bis 60 Euro. Bei Fragen erhälst du in der Handwerkskammer weitere Unterstützung.

Zusätzlich zum angemeldeten Gewerbe ist die Registrierung beim Finanzamt notwendig. Hier wird dir eine Steuernummer und gegebenenfalls eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ausgegeben. Abhängig von der Unternehmensgröße ist eine einfache Einnahmenüberschussrechnung oder eine doppelte Buchführung verpflichtend. Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater wird empfohlen um von Steuervorteilen zu profitieren.

Zusätzlich sind Versicherungen ein wichtiger Bestandteil der Absicherung für Selbstständige. Folgende Versicherungen solltest du dabei im Auge behalten:

  • Die Betriebshaftpflichtversicherung
  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Die Rechtsschutzversicherung
  • Die private Rentenversicherung
  • Die Krankenversicherung
  • Die Unfallversicherung

Wenn du dir Kenntnisse im Vertrags-, Arbeits- und Gewährleistungsrecht  aneignest, kannst du viele rechtliche Probleme bereits im Vorfeld vermeiden.