Fachkräftemangel im Handwerk- 7 Tipps für Betriebe

Artikel von: Stefan Zinke
Für Handwerksinteressierte gibt es eine Vielzahl an spannenden Berufen. ©auremar, Adobestock.com

Davon, dass im Handwerk ständig Fachkräftemangel herrscht, haben wir schon alle einmal gehört. Doch wie entsteht dieser? Und vor allem: Was können Betriebe dagegen tun?

Ursachen des Fachkräftemangels im Handwerk

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist kein neues Thema. In den kommenden Jahren wird ein großer Teil der erfahrenen Handwerkerinnen und Handwerker in den Ruhestand gehen. Teilweise müssen Betriebe schließen. Doch was sind die weiteren Gründe für den Fachkräftemangel? Hier sind einige der wichtigsten Ursachen aufgelistet:

  1. Demografischer Wandel: Ein demografischer Wandel in der Gesellschaft führt häufig dazu, dass qualifiziertes Personal knapp wird. Dies geschieht zum Beispiel durch hohe Auswanderungsraten, einen allgemeinen Rückgang der Geburtenrate in Deutschland (der seit 2010 jedoch wieder leicht steigt) oder schlechte Bildungsstandards. Gleichzeitig bleibt oder steigt jedoch der Bedarf an Spezialisten und Experten auf Unternehmensseite. Diese gegensätzliche Entwicklung von Angebot und Nachfrage führt zunächst zu einem Engpass an Fachkräften, der langfristig zu einem Mangel führt. Der demografische Wandel hinterlässt deutliche Spuren auf dem engen bis leergefegten Arbeitsmarkt. Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter im Ruhestand durch junge Arbeitnehmer zu ersetzen.
  2. Veränderte Bedingungen am Arbeitsmarkt: Eine weitere Ursache sind die veränderten Bedingungen am Arbeitsmarkt, da Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leichter als früher zu einem anderen Arbeitgeber innerhalb der handwerklichen Branche wechseln. Viele wechseln jedoch auch zur Industrie, denn die Konkurrenz um Fachkräfte ist groß.
  3. Imageproblem des Handwerkerberufs: Obwohl das Ansehen des Handwerkers in der Bevölkerung sehr gut ist, gelingt es kaum, dieses Image für die eigenen Zwecke und eine erfolgreiche Nachwuchswerbung zu nutzen. Das traditionelle Führungsmodell und der technische Rückstand haben das Image des Handwerks beeinträchtigt, aber junge Menschen bringen mittlerweile wieder Modernität mit dem Handwerk in Verbindung.
  4. Mangel an Auszubildenden: Das größte Problem beim Fachkräftemangel liegt heutzutage auch im Mangel an Auszubildenden. Wenn Unternehmen heute Azubis fehlen, werden ihnen morgen die Fachkräfte fehlen. Daher sollten Betriebe jetzt vor allem in die Suche nach Auszubildenden und eine ansprechende Ausbildung investieren.
  5. Uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit: Durch diesen Grundsatz der EU ist es den Bürgerinnen und Bürgern möglich, in jedem Mitgliedsstaat der EU zu arbeiten und sich niederzulassen. Die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreiheit kann den Fachkräftemangel verschärfen, indem qualifizierte Arbeitskräfte in Länder mit besseren Bedingungen auswandern.

7 Tipps zur Bewältigung des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen, da Engpässe entstehen und es schwierig wird, mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Qualifizierte Fachkräfte sind treibende Kräfte für Innovationen und neues Wachstum in einem Unternehmen. Wenn ein Betrieb es schafft, qualifizierte Fachkräfte anzuziehen und langfristig an sich zu binden, erhöht dies die Mitarbeiterzufriedenheit und verringert die Fluktuation. Ein Betrieb, der aktiv gegen den Fachkräftemangel vorgeht und gute Arbeitsbedingungen bietet, stärkt sein Image als attraktiver Arbeitgeber. Indem Betriebe Maßnahmen ergreifen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, tragen sie zur langfristigen Stabilität und Entwicklung der Wirtschaft bei.  Wir haben 7 Tipps für Betriebe, die ihnen dabei helfen können, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Tipp 1: Aufbau eines positiven Arbeitgeberimages

Betriebe können aktiv ihr Image verbessern, indem sie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit betreiben und über die vielfältigen Karrieremöglichkeiten im Handwerk informieren. Auch durch attraktive Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance und faire Vergütung kann das Image des Betriebes verbessert werden. Betriebe sollten ihr Arbeitgeberimage daraufhin aktiv kommunizieren, z. B. durch Marketing und positive Erfahrungsberichte. Marketing-Maßnahmen sind ein essenzieller Bestandteil im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Eine offene Unternehmenskultur und Chancengleichheit sind wichtig, um verschiedene Fachkräfte anzusprechen.

Tipp 2: Nutzung der digitalen Möglichkeiten

Durch die Investition in digitale Technologien und die Förderung von digitalen Kompetenzen können Betriebe attraktiver für Fachkräfte werden. Handwerksbetriebe können durch die Nutzung digitaler Plattformen wie jobs.infranken.de mehr potenzielle Arbeitnehmer und Auszubildende finden. Doch auch soziale Medien, wie TikTok, sollten nicht ignoriert werden.

Um die Bürotätigkeiten zu erleichtern, können Angestellte mit entsprechenden technischen Fähigkeiten eine enorme Bereicherung darstellen. So kann der Fokus auf dem tatsächlichen Handwerk liegen. Doch auch künstliche Intelligenz kann unterstützen, indem sie Kundenanfragen schnell und präzise beantwortet, Kosten kalkuliert und diese direkt in professionell gestaltete Angebote überführt. Darüber hinaus können vielfältige Apps helfen, das Arbeitspensum zu reduzieren.

Tipp 3: Zapfen von ungenutzten Potenzialen

Ungenutzte Potenziale, wie Frauen in Teilzeit oder Elternzeit zu fördern oder qualifizierte Migrantinnen und Migranten einzusetzen, sollten auch nicht unbeachtet bleiben. Dieses Zapfen ungenutzter Potenziale kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu mindern. Indem mehr Menschen mit der fehlenden Expertise in den Arbeitsmarkt integriert werden und vorhandene Qualifikationen besser genutzt werden, kann der Bedarf an Fachkräften gedeckt werden.

Tipp 4: Überdenken von Arbeitsgestaltung

Betriebe können dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegenwirken, indem sie ihre Arbeitsgestaltung überdenken. So können sie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten anbieten, die Work-Life-Balance verbessern und Weiterbildungsmöglichkeiten bereitstellen. Zudem sollten attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden und die Digitalisierung und Automatisierung genutzt werden. Eine verstärkte Ausbildungsförderung und die Schaffung attraktiver Karrieremöglichkeiten sind ebenfalls wichtig. Diese Maßnahmen sollten individuell auf den Betrieb zugeschnitten sein und regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Tipp 5: internationaler Austausch

Betriebe können international nach Fachkräften suchen und diese gezielt für eine Tätigkeit im Handwerk gewinnen. Dieser Austausch kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel einzudämmen, indem er neue Ideen und Fähigkeiten einführt, die Rekrutierung erleichtert und das Image des Handwerks verbessert.

Tipp 6: Kooperation mit Schulen

Durch die Zusammenarbeit mit Schulen können Betriebe das Interesse junger Menschen am Handwerk wecken und sie für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich begeistern. Betriebe können außerdem Schulen dabei unterstützen, die Lehrerinnen und Lehrer in handwerklichen Bereichen weiterzubilden. Dies kann dazu beitragen, dass Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern aktuelles Wissen und praktische Fähigkeiten vermitteln können. Auch die generelle Förderung von handwerklichen Talenten in Schulen kann Berufe im Handwerk attraktiver für Schülerinnen und Schüler machen. Betriebe können Wettbewerbe organisieren oder Stipendien vergeben.

Tipp 7: frühzeitige Nachwuchsgewinnung

Dieser Tipp geht Hand in Hand mit Tipp 6. Betriebe sollten bereits frühzeitig Kontakt zu potenziellen Auszubildenden, zum Beispiel in Schulen, aufnehmen. Sie könnten beispielsweise durch Praktika oder Schnuppertage das Interesse am Handwerk wecken und langfristig Fachkräfte gewinnen. Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen und Branchennetzwerken können den Nachwuchs fördern und potenzielle Fachkräfte ansprechen.

Tipp 8: selbst ausbilden

Wer als Arbeitgeber im Handwerksbetrieb tätig ist, kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem selbst ausgebildet wird. Insbesondere jüngere Kohorten bleiben häufig in ihrem Ausbildungsbetrieb angestellt. Die besten Fachkräfte sind jene, die im eigenen Betrieb ausgebildet werden. Mitarbeiter aus anderen Unternehmen müssen sich an bestehende Regelungen und Arbeitsschritte anpassen. Dies entfällt, wenn ein Unternehmen selbst ausbildet und diese Arbeitskräfte durch attraktive Arbeitsbedingungen hält.

Der Fachkräftemangel in Bayern: So betroffen ist das Handwerk im Freistaat

Die bayerischen Arbeitsagenturen meldeten im Jahr 2023 im Handwerk rund 37.600 offene Stellen im Handwerk. Trotz der allgemein geringen Arbeitslosenrate im Freistaat können viele Stellen nicht besetzt werden. Besonders prekär ist hierbei die Situation bei den Ausbildungsplätzen. Etwa 10.000 Stellen sind, Stand heute, unbesetzt. Mehr als jeder dritte Azubi schmeißt hin.

Jeder vierte Arbeitgeber im Handwerk hat Probleme, seine Stellen zu besetzen, was letztlich die betriebliche Entwicklung hemmt und den Arbeitsablauf erheblich beeinträchtigt. In der Folge bleiben Arbeiten liegen oder müssen verschoben werden. Die Auswirkungen spürt auch der Kunde. Der Mangel an Fachkräften droht sich auch weiter zu verschärfen. Gerade in ländlichen Regionen fehlen insbesondere in Bayern die jungen Leute. Das Problem der Überalterung ist in manchen bayerischen Regionen gravierender als im Bundesdurchschnitt.

Das Handwerk konkurriert zudem mit einer starken Industrie, wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie, was den Wettbewerb um den Nachwuchs verschärft. Die Löhne sind oft besser, die Arbeitsbedingungen attraktiver. Dem entgegenwirken sollen Investitionen in Berufsschulen und Exzellenzzentren für berufliche Bildung. Laut Hubertus Aiwanger muss das Handwerk den Sprung zu einer High-Tec Branche wagen, um wieder attraktiv zu werden.