Beruf mit Biss – aber ohne Nachwuchs? Der dramatische Mangel an ZFA

Artikel von: Stefan Zinke
Die Zahnmedizinische Fachangestellte assistiert dem Zahnarzt bei Behandlungen, betreut Patienten und sorgt für Hygiene und Organisation in der Praxis. ©Denys, Adobestock.com

Die Bundesagentur für Arbeit führt einmal im Jahr die sogenannte Engpassanalyse durch. Hierbei soll anhand von sechs statistischen Indikatoren errechnet werden, wie hoch der Fachkräftemangel in einem Metier ausfällt. Am Ende wird eine Punktzahl ausgegeben, liegt diese für einen Beruf auf dem Faktor zwei oder gar darüber, so handelt es sich um einen Engpassberuf. Fällt der Wert unter 1,5, so ist es kein Engpassberuf. Werte dazwischen können nicht eindeutig zugeordnet werden und die Entwicklung des Berufes stehen entsprechend unter weiterer Beobachtung. Der zahnmedizinische Fachangestellte ist hierbei ein besonders schwerer Fall.

Was genau macht ein zahnmedizinischer Fachangestellter?

Zahnmedizinische Fachangestellte werden in jeder Zahnarztpraxis benötigt. Sie unterstützen Zahnärzte bei ihrer Behandlung und empfangen die Patienten. Auch die Vorbereitung auf die Behandlung unterliegt normalerweise dem ZFA. Während der zahnärztlichen Behandlung sind zahnmedizinische Fachangestellte die rechte Hand des Zahnarztes. Sie reichen Instrumente und Materialien während der Behandlung und notieren wichtige Informationen für den Zahnarzt.

Die Patientenbetreuung

Die Betreuung von Patienten geht weit über den reinen Empfang des Patienten hinaus. Eine professionelle Zahnreinigung und anschließende Prophylaxegespräche werden häufig von zusätzlich geschulten ZFA durchgeführt. Abschließende Nachsorgehinweise obliegen dabei ebenso dem Fachangestellten wie die anschließende Reinigung und Desinfektion des Arbeitsplatzes beziehungsweise der Desinfektion der medizinischen Geräte und Instrumente.

Diagnostik und Verwaltung

Die Anfertigung von Röntgenaufnahmen, beispielsweise nach einer Weisheitszahn-OP ist Aufgabe eines ZFA. Wenn Provisorien benötigt werden erstellt der Zahnarzthelfer Gipsabdrücke des Kiefers. Diese handwerklichen Tätigkeiten wechseln dabei immer wieder mit den bereits angesprochen Verwaltungsaufgaben in der Zahnarztpraxis.

Ohne den zahnmedizinischen Fachangestellten kann keine Zahnarztpraxis existieren. Entsprechend wichtig ist eine ausreichende Besetzung mit qualifizierten ZFA, um einen reibungslosen Praxisbetrieb, eine fachgerechte Patientenversorgung und die Einhaltung aller Hygiene- und Qualitätsstandards zu gewährleisten.

Der zahnmedizinische Fachangestellte ist unterbesetzt

Der Beruf des zahnmedizinischen Fachangestellten ist von einem akuten Fachkräftemangel betroffen, der die zahnärztliche Versorgung zunehmend vor Herausforderungen stellt. Insbesondere Männer sind in diesem Bereich nur spärlich vertreten. Interessanterweise war der ZFA noch im Jahr 2022 einer der beliebtesten Ausbildungsberufe bei jungen Frauen, woher kommt also der Mangel?

Die sechs Messwerte: Wie werden die Engpässe gemessen?

Die hohe Punktzahl in der Engpassskala beruht auf relativ schlechten beziehungsweise hohen Werten innerhalb der sechs grundlegenden Messbereiche. Diese Werte dienen als Grundlage für die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit.

  • Vakanzzeit: Die durchschnittliche Dauer, bis eine offene Stelle durch einen Arbeitnehmer besetzt wird. Lange Vakanzzeiten deuten darauf hin, dass es schwierig ist, geeignete Bewerber zu finden.
  • Arbeitssuchenden-Stellen-Relation: Dies ist das Verhältnis zwischen den arbeitssuchenden Personen und den tatsächlich gemeldeten offenen Stellen. Fällt das Verhältnis deutlich zugunsten der offenen Stellen aus, bedeutet das, dass es nur wenige Bewerber für viele offene Positionen gibt – ein klares Anzeichen für einen Fachkräftemangel in diesem Berufsfeld.
  • Berufsspezifische Arbeitslosenquote: Diese gibt an, wie groß der Anteil jener Fachkräfte ist, die arbeitslos gemeldet sind in Bezug auf ihren ursprünglichen Beruf. Eine niedrige Arbeitslosenquote zeigt, dass fast alle Fachkräfte eine Stelle haben und der Arbeitsmarkt nahezu ausgeschöpft ist.
  • Abgangsrate aus der Arbeitslosigkeit: Der Anteil der arbeitslosen Fachkräfte, die ihren Beruf wieder aufnehmen. Eine niedrige Abgangsrate bedeutet, dass nur wenige Arbeitslose in diesem Beruf wieder Arbeit finden – das spricht für einen Engpass, wenn es gleichzeitig viele offene Stellen gibt.
  • Veränderung des Anteils sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ausländer: Dieser Wert zeigt auf, wie stark der Anteil ausländischer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Beruf zunimmt. Ist dieser Wert hoch, bedeutet dies, dass Betriebe zunehmend auf ausländische Fachkräfte zurückgreifen müssen, was einen Fachkräftemangel wahrscheinlich macht.
  • Entwicklung der mittleren Entgelte: Sie beschreibt die Veränderung des durchschnittlichen Bruttogehalts im Beruf. Steigen die Entgelte deutlich, ist das oft ein Zeichen dafür, dass Arbeitgeber mit höheren Löhnen um die wenigen verfügbaren Fachkräfte konkurrieren – ein typisches Merkmal eines Engpasses.

Der Medizinische Fachangestellte zeigt in fast allen Bereichen eindeutige Anzeichen eines Engpasses auf.

Ursachen für den Fachkräftemangel

Die Ursachen für den Mangel können vielfältig sein. Zum einen macht der demografische Wandel auch vor dem zahnmedizinischem Fachangestellten nicht halt. Bis 2027 werden jährlich 283.000 Beschäftigte mehr in den Ruhestand gehen, als neue nachrücken. Auf der anderen Seite sind die Hürden, einen medizinischen Beruf zu ergreifen, entsprechend höher als in anderen Ausbildungsberufen.

Der Personalbedarf in Zahnarztpraxen nimmt stetig zu, dies liegt zum einen an der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden intensiveren Behandlung von älteren Menschen und bisher unterversorgten Personengruppen. Auf der anderen Seite stiegen die Aufgabenbereiche, der zahnmedizinischen Fachangestellten immer weiter an.

Der Fachkräftemangel ist kein neues Phänomen

Bereits 2019 war der Fachkräftemangel spürbar. Mit einem Wert von 2,5 auf der Skala der Engpassberufe befand sich der Beruf damals bereits in einer misslichen Lage. Dies hat sich mittlerweile verschärft. Im deutschlandweiten Vergleich liegt der zahnmedizinische Fachangestellte mit 2,8 Punkten auf Platz eins auf dem Engpassindex.

Eine hohe Abbruchrate in der Ausbildung

Viele Zahnmedizinische Fachangestellte verlassen ihren Beruf frühzeitig oder wechseln in andere Branchen, was zu einem spürbaren Verlust an Fachkräften und Wissen führt. Gründe dafür sind hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck und ein vergleichsweise niedriges Gehalt, insbesondere im Vergleich zur Industrie. Die Ausbildungsabbruchquote ist hoch: 2021 lag die Quote der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge bei 39 % in Westdeutschland und 30 % in Ostdeutschland, zudem bestehen nur 84,5 % die Abschlussprüfung.

Insgesamt zeigt sich im bundesdeutschen Schnitt gar ein Rückgang der Engpassberufe von 183 auf 163 im Jahr 2024. Dennoch sind sie ein großflächiges Problem für den Arbeitsmarkt, von dem aber Arbeitnehmer profitieren können.

Wie sieht die Lage in Bayern aus?

In Bayern zeigt sich ein ähnliches Bild wie im deutschen Durschschnitt. Insgesamt ist der Anteil von angeworbenen ausländischen Fachkräften etwas geringer, was widerum in einer leicht besseren Gesamtbewertung innerhalb der Engpassanalyse resultiert. Dennoch handelt es sich auch hier um einen Beruf mit sehr hohem Fachkräftemangel.

Leo Hofmeier, Pressesprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns, blickt mit Sorge auf die aktuelle Situation. In Bayern existiert im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine Tarifbindung für angestellte Zahnmedizinische Fachangestellte. Das wirkt sich spürbar auf die Vergütung aus, die in den meisten Bezirken entsprechend niedrig ausfällt.

Den Zahnärzten selbst ist daran wenig anzulasten: Auch sie sehen sich mit steigenden Kosten konfrontiert – etwa durch höhere Energiepreise oder eine Gebührenordnung für medizinische Leistungen, die bislang nicht an die Inflation angepasst wurde. Vor diesem Hintergrund entscheiden sich viele Zahnärzte zunehmend für eine Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ).

Da es keine Zulasungsbeschränkungen für Zahnärzte gibt sind Städte teils überversorgt. Zeitgleich benötigt jede Praxis ihre eigenen medizinischen Fachangestellten. Laut Leo Hofmeier führt dieser Mangel bereits heute zu Versorgungseinschränkungen in Zahnarztpraxen. Er sieht die Lösung in der Reduktion der Bürokratie und der Regulation der MVZs.

Du willst zahnmedizinischer Fachangestellter werden? Das musst du können!

Aktuell bietet sich, aufgrund des Fachkräftemangels, für angehende zahnmedizinische Fachangestellte eine einzigartige Gelegenheit, in einen Beruf mit hoher Arbeitgebervielfalt und sehr guten Übernahmechancen einzusteigen.

Die dreijährige Ausbildung findet in dualer Form statt, das heißt, dass du zwischen dem theoretischen Unterricht in der Berufsschule und der praktischen Arbeit in der Zahnarztpraxis wechselst. So kannst du das im Unterricht Gelernte direkt in der Praxis anwenden und sammelst wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Patienten, bei Behandlungen sowie in der Organisation des Praxisalltags. Bei sehr guten Leistungen oder dem vorherigen Abschluss eines Abiturs oder Fachabiturs ist eine Verkürzung möglich.

Steckbrief Zahnmedizinischer Fachangestellter

Das lernst du in der Ausbildung

In der Praxis lernst du die Durchführung und Überwachung von Hygienemaßnahmen und betreust die Patienten vor und nach der Behandlung. Die Berufsschule deckt die theoretischen Grundlagen zur Anatomie, Physiologie und der Krankheitslehre des zahnmedizinischen Umfelds ab. Doch auch verwaltungstechnische Aspekte sind Teil deiner Ausbildung. Abrechnungswesen und Recht gehören ebenso dazu, wie die Praxisorganisation.

Der Umgang mit den Patienten ist sehr wichtig, du lernst, wie du Angstpatienten richtig betreust. Im Falle eines Notfalls bist du ebenso sofort zur Stelle, um erste Hilfe zu leisten.

Diese Voraussetzungen solltest du mitbringen, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen

Als zahnmedizinischer Fachangestellter hast du dich der Sorgfalt verschrieben. Präzises Arbeiten ist ein wichtiger Faktor, um die Gesundheit des Patienten aufrechtzuerhalten und Infektionen zu vermeiden. Darüber hinaus solltest du ein hohes Verantwortungsbewusstsein besitzen und zuverlässig sein, denn du arbeitest mit sensiblen medizinischen Daten und Materialien.

Da du täglich mit Patienten, darunter auch Angstpatienten und Kindern im Umgang bist, solltest du einfühlsam und empathisch sein. Doch auch Teamarbeit ist wichtig, um dich mit deinen Kolleginnen und Kollegen perfekt abzustimmen. In diesen stressigen Situationen sind Organisationstalent und Belastbarkeit sehr wichtig. Natürlich solltest du zuallererst auch Interesse am Berufsfeld haben.

Die Schulnoten sind insbesondere in Biologie, Chemie, Deutsch und Mathematik wichtig. Gute Leistungen in diesen Fächern ermöglichen dir einen leichteren Berufseinstieg.

Diese Prüfungen kommen auf dich zu

Neben regulären Tests und Klausuren in der Berufsschule wirst du eine große Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung absolvieren müssen, um deinen Abschluss zu erlangen. Bei regulärer Ausbildungsdauer erfolgt die Zwischenprüfung circa 1,5 Jahre nach Ausbildungsbeginn. Die Abschlussprüfung muss entsprechend am Ende bestanden werden.

Beide Prüfungen bestehen aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Die Abschlussprüfung enthält überdies noch einen mündlichen Part. Typische Themen sind zum Beispiel Behandlungsassistenz und Wirtschafts- und Sozialkunde. Die schriftlichen Aufgaben werden meist als Multiple-Choice- oder Zuordnungsaufgaben gestellt, wie sie auch in den offiziellen Musteraufgaben der Bayerischen Landeszahnärztekammer (BLZK) zu finden sind. Hier kannst du dich mit den verschiedenen Fragetypen vertraut machen und gezielt üben.

Der ZFA ist erst der Anfang: Folgende Zusatzqualifikationen kannst du nach deiner Ausbildung erwerben

Nach deinem erfolgreichen Bestehen der Abschlussprüfung hast du die Möglichkeit, deine Kompetenzen zu erweitern. Insbesondere zahnmedizinische Behandlungen erfordern Zusatzqualifikationen um diese selbstständig und ohne Kontrolle des Zahnarztes durchzuführen.

  • Zahnmedizinische/r Prophylaxeassistent/in (ZMP): Spezialisierung auf professionelle Zahnreinigung und Prophylaxemaßnahmen.
  • Zahnmedizinische/r Verwaltungsassistent/in (ZMV): Schwerpunkt auf Praxisorganisation, Abrechnung und Verwaltung.
  • Dentalhygieniker/in (DH): Erweiterte Kenntnisse in der Parodontologie und eigenständige Durchführung von Behandlungen.
  • Zahnmedizinische/r Fachassistent/in (ZMF): Zusatzqualifikation für Aufgaben in Prophylaxe, Assistenz und Verwaltung.
  • Praxismanager/in: Übernahme von Leitungsaufgaben, Personalführung und Praxismanagement.
  • Fachwirt/in im Gesundheits- und Sozialwesen: Betriebswirtschaftliche Qualifikation für Führungspositionen im Gesundheitswesen.

Wie du siehst, ist der Beruf des zahnmedizinischen Fachangestellten ein sehr erfüllender und abwechslungsreicher Beruf. Qualifizierte ZFAs sind auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt, sodass die Chancen auf eine Übernahme nach der Ausbildung und eine langfristige Beschäftigung sehr gut stehen.