Flexible Arbeitszeitmodelle: Chancen & Risiken für Arbeitgeber
Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach passenden Jobs mit flexiblen Arbeitszeiten. Zu den Klassikern gehört die Arbeit in Teilzeit sowie gängige und moderne Modelle wie Gleitzeit mit Kernzeit, Freizeitausgleich über Zeitkonten (Flexsaldo), hybrides Arbeiten (eine Mischung aus Homeoffice und Büro), verkürzte Wochen oder Vertrauensarbeitszeit. Ziel all dieser Varianten ist es, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter zu verbessern, indem Arbeitszeiten an individuelle Bedürfnisse angepasst werden, ohne die Anforderungen des Unternehmens außer Acht zu lassen. Welche Chancen und Risiken flexible Arbeitszeitmodelle speziell mit sich bringen und worauf es in der Praxis ankommt, zeigt dieser Beitrag.
Arbeitszeiten flexibel gestalten: Das bieten die Betriebe
Der moderne Arbeitsmarkt in Franken bietet Beschäftigten eine Vielzahl an flexiblen Arbeitsplatzmodellen. Bereits vor der COVID-Pandemie haben Unternehmen verschiedene Strategien entwickelt, um die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. Durch die weltweite Infektionskrankheit hat sich dieser Schritt allerdings drastisch intensiviert. Dabei geht es im Kern darum, betriebliche Anforderungen und individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter auf einen Nenner zu bringen. Genau dieser Punkt ist seit jeher ein Spannungsfeld im Arbeitsverhältnis, das heute zunehmend durch flexible Arbeitszeitmodelle entschärft wird. Dazu zählen unter anderem:
- Arbeitszeitkonten
- Teilzeitarbeit
- Gleitzeit (mit Kernzeit)
- Vertrauensarbeitszeit
- Jahresarbeitszeit
- Homeoffice / Remote oder hybrides Arbeiten
- Jobsharing
Viele Arbeitgeber bevorzugen traditionell Schichtsysteme und Rotationsmodelle, denn damit lassen sich Produktionszeiten verlängern und die betriebliche Infrastruktur optimal nutzen. Besonders in Gesundheitseinrichtungen und Industriebetrieben haben sich diese Modelle bewährt. Sie gelten als flexibel, weil sie schnell und ohne großen Aufwand auf einen schwankenden Personalbedarf reagieren können. Zudem spielt in Phasen hoher Belastung die Wochenarbeitszeit kaum eine Rolle: Unternehmen bieten die Möglichkeit, Überstunden durch Freizeitausgleich oder Bezahlung ausgleichen, oft wahlweise.
Ergänzend dazu gewinnen Just-in-Time-Arbeitsmodelle an Bedeutung, bei denen Arbeitszeiten kurzfristig an Produktionsspitzen angepasst werden. Für saisonale Schwankungen oder konjunkturelle Veränderungen setzen Unternehmen zunehmend auf flexible Arbeitszeitmodelle mit Durchschnittsberechnung. Bei diesen Systemen werden die Arbeitszeiten über mehrere Wochen ermittelt und ausgeglichen: Auf eine intensive Phase mit 50 Stunden in der Woche folgt dann ein Zeitraum, in dem die Beschäftigten weniger Stunden arbeiten, zum Beispiel in Teilzeit, mit reduzierten Wochenstunden oder verkürzten täglichen Arbeitszeiten.
Flexible Arbeitszeitmodelle: Vorzüge und Nachteile für Arbeitgeber
Flexible Arbeitszeitmodelle bringen sowohl viele Vorteile als auch einige Herausforderungen mit sich. Arbeitgeber sollten einen realistischen Blick auf beide Seiten werfen und passende Lösungen für ihr Unternehmen finden.
Diese Nachteile könnten bei der Umsetzung von flexiblen Arbeitszeiten auftreten:
- Gesetzliche Einschränkungen: Arbeitszeitgesetze, Tarifverträge und Mitbestimmungsregeln setzen Grenzen, die bei flexiblen Modellen berücksichtigt werden müssen.
- Technischer Aufwand: Es müssen für bestimmte Arbeitszeitmodelle wie Homeoffice oder hybrides Arbeiten neue IT-Lösungen gefunden und eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden.
- Führung und Kontrolle: Voraussetzung vieler flexibler Arbeitszeitmodelle ist das Vertrauen der Führungskraft in die Mitarbeiter, da die Überwachung der Produktivität dadurch komplexer wird.
- Erschwerte Kommunikation: Wenn Arbeitnehmer zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten arbeiten, kann das die Kommunikation untereinander beeinträchtigen.
- Aufwendige Planung: Individuelle Mitarbeiterwünsche abzustimmen, erfordert mehr Koordination innerhalb von Teams.
- Kostendruck durch Überstunden: Ungenaue Planung kann zu Mehrarbeit führen und die Personalkosten erhöhen.
Neben den Nachteilen entstehen aber auch viele Vorteile für das Unternehmen, insbesondere in Bezug auf Recruiting und Mitarbeiterbindung:
- Kapital- und Ressourcenauslastung: Schichtmodelle und flexible Arbeitszeiten ermöglichen eine effizientere Nutzung von Maschinen und Büros bei gleichbleibendem Personalbestand.
- Produktivitätssteigerung: NUTEK-Studien zeigen, dass flexible Arbeitszeitmodelle zu höherer Produktivität, niedrigerer Fluktuation und weniger Fehlzeiten führen können.
- Bedarfsgerechte Personalsteuerung: Arbeitszeitkonten oder variable Wochenarbeitszeiten können saisonale oder konjunkturelle Auftragsschwankungen abfedern.
- Selbstorganisation funktioniert: Erfahrungen zeigen, dass Teams ihre Arbeitszeiten für betriebliche Erfordernisse am besten eigenständig koordinieren können.
- Mitarbeiterzufriedenheit: Selbstgewählte Arbeitszeiten erhöhen nachweislich die Zufriedenheit und die psychische Gesundheit der Belegschaft.
- Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung: Für viele Jobsuchende und bereits Angestellte sind flexible Arbeitszeitmodelle ein wichtiges Entscheidungskriterium dafür, sich zu bewerben oder im Unternehmen zu bleiben.
- Personalpool erweitern: Die Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle ermöglicht Erwerbstätigkeit in allen Lebensformen, z. B. für Eltern, Pendler oder Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen.
Flexible Arbeitsmodelle beim fränkischen Automobilzulieferer Schaeffler AG
Die Schaeffler AG mit Hauptsitz in Herzogenaurach gehört zu den weltweit führenden Automobilzulieferern. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 84.000 Mitarbeiter und hat zusammen mit dem Betriebsrat gleich mehrere Modelle entwickelt, die das Arbeiten effizienter und flexibler gestalten sollen. Selbst in produktionsintensiven Bereichen besteht Spielraum bei den Arbeitszeiten. So sorgt Schaeffler dafür, dass die Bedürfnisse seiner Arbeitnehmer im Einklang mit den betrieblichen Anforderungen stehen.
Arbeitszeitmodelle bei Schaeffler:
- Gleitzeit mit Überstundenkonto: Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit innerhalb definierter Rahmenzeiten selbst und flexibel gestalten. Geleistete Mehrarbeit wird auf einem persönlichen Zeitkonto erfasst und kann später durch Freizeit oder andere beschlossene Regelungen ausgeglichen werden. Die Vorteile der Kernarbeitszeit werden in der Region in der Regel sehr gut angenommen.
- Teilzeitarbeit: 6,3 Prozent der Schaeffler-Belegschaft in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Diese Option steht explizit auch Führungskräften offen und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit je nach Lebensphase oder familiärer Situation schrittweise anzupassen.
- Homeoffice: Bis zu 40 Prozent der monatlichen Arbeitszeit dürfen Mitarbeiter von zuhause aus leisten, sofern das Aufgabenfeld geeignet ist. 11,4 Prozent der Beschäftigten nutzen in der Regel den festen Anteil mobiler Arbeit.
- Gegenläufige Schichtmodelle: Für Ehepaare oder Lebenspartner mit Kindern gibt es eine besonders innovative Lösung: Mit Schichtarbeit können sie ihre Arbeitszeiten besser aufeinander abstimmen und in gegenläufigen Schichten arbeiten, sodass immer ein Elternteil die Kinderbetreuung übernehmen kann.
- Altersteilzeit und Sabbatical: Für unterschiedliche Lebensphasen bietet Schaeffler seinen Mitarbeitern Modelle zur schrittweisen Arbeitszeitreduzierung oder zu temporären Auszeiten an.
- Sonderurlaubstage: Zusätzlich zu 30 Tagen Jahresurlaub haben Arbeitnehmer bei Schaeffler Anspruch auf bis zu 8 weitere bezahlte, freie Tage. Freie Tage können obendrein als Sonderurlaub für besondere Ereignisse beantragt werden.
Der Nutzen für Schaeffler:
- Die angebotenen flexiblen Arbeitszeitmodelle sichern langfristig qualifizierte Fachkräfte in der konkurrenzstarken Automobilindustrie.
- Sie steigern die Produktivität und Motivation.
- Gleichzeitig senken sie die Zahl der Tage mit Krankmeldungen und anderen Fehlzeiten.
- Mit solch einer Flexibilität kann Schaeffler besser auf globale Marktschwankungen
- Solche Benefits für Mitarbeiter und Jobsuchende steigern die Arbeitgeberattraktivität und sorgen für mehr Bewerbungen sowie für eine engere Bindung der Belegschaft.
- Schaeffler behauptet sich damit erfolgreich im Wettbewerb um Fachkräfte gegenüber Konkurrenten wie Bosch oder ZF Friedrichshafen AG.
Flexible Arbeitszeitmodelle als Chance nutzen
Flexibilität ist für die meisten Beschäftigten längst mehr als ein zusätzlicher Bonus – es ist oft ein entscheidender Faktor bei der Jobauswahl und Mitarbeiterbindung. Wenn Mitarbeiter ihre Arbeitstage und Arbeitszeiten weitgehend selbst gestalten können, erleichtert es ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, verbessert ihre Work-Life-Balance und befriedigt ihre persönlichen Bedürfnisse. Auch du als Arbeitgeber profitierst von flexiblen Arbeitszeitmodellen, schließlich gewinnst du dann hoch motivierte Mitarbeiter mit niedrigerem Krankenstand und effizientere Abläufe in der Produktion. Willst du die Vorteile flexibler Arbeitszeitmodelle nutzen, musst du für eine gute Koordination und eine effiziente Kommunikation sorgen. Richtig umgesetzt können flexible Modelle ein stabiles Arbeitsumfeld schaffen und deine Arbeitgeberattraktivität erhöhen.