Mittlerer, gehobener und höherer Dienst: Deine Karrieremöglichkeiten bei der Polizei

Artikel von: Hannah Schmidt, Stefan Zinke
Ein Polizist steht aufmerksam im Einsatz, sorgt für Sicherheit und Ordnung, während er die Umgebung im Blick behält und auf mögliche Zwischenfälle vorbereitet ist. ©Tobias Arhelger, Adobestock.com

Die Polizeiausbildung in Deutschland ist vielfältig und unterscheidet sich je nach Zugehörigkeit zur Bundes- oder Landespolizei. Dabei gibt es sowohl Unterschiede in den Ausbildungsinhalten und Einsatzbereichen als auch gemeinsame Grundlagen, die für beide Behörden gelten. Polizistinnen und Polizisten sind oft die erste Instanz in Krisensituationen und tragen entscheidend zum Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen bei.

Bundespolizei und Landespolizei: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Ausbildung und Aufgaben von Polizeibeamtinnen und -beamten können je nach Zugehörigkeit zur Bundes- oder Landespolizei variieren. Die Bundespolizei ist bundesweit im Einsatz und kümmert sich unter anderem um den Schutz von Grenzen, Flughäfen, Bahnhöfen und Großveranstaltungen. Die Landespolizei hingegen ist auf die Sicherheit innerhalb eines bestimmten Bundeslandes spezialisiert und übernimmt Aufgaben wie die Streifentätigkeit im Stadtgebiet, die Verkehrskontrolle oder den Schutz lokaler Veranstaltungen. Ausbildungsorte und -inhalte sind daher an die spezifischen Anforderungen dieser beiden Polizeibehörden angepasst.

Die Arbeit im mittleren Dienst

Der mittlere Polizeivollzugsdienst ist eine Einstiegsmöglichkeit sowohl bei der Bundes- als auch bei der Landespolizei. Die Bundespolizei bietet eine Ausbildung, die etwa 2,5 Jahre dauert und aus 4.600 Ausbildungsstunden besteht, wovon rund 5,5 Monate auf Praktika in verschiedenen Bereichen entfallen. Ausbildungszentren der Bundespolizei befinden sich deutschlandweit, unter anderem in Bamberg, Bielefeld und Diez. Die Landespolizeien der einzelnen Bundesländer haben eigene Ausbildungsstätten; diese können bei den Landesbehörden erfragt werden, da sie von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.

Im ersten Ausbildungsjahr lernst du die theoretischen Grundlagen der Polizeiarbeit und nimmst an praxisnahen Trainings zu Einsatzsituationen wie Kontrollen und Festnahmen teil. Im zweiten Jahr sammelst du praktische Erfahrungen in den Bereichen Grenz- und Bahnpolizei, Bundesbereitschaftspolizei sowie Luftsicherheit. Das dritte Jahr dient der intensiven Vorbereitung auf die Laufbahnprüfung.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Nach dem Abschluss der Ausbildung stehen dir vielfältige Karrieremöglichkeiten offen. Du kannst in verschiedenen Bereichen der Bundespolizei arbeiten, etwa im grenz- und bahnpolizeilichen Dienst, beim Schutz von Veranstaltungen oder in der Luftsicherheit. Zudem hast du die Möglichkeit, dich zu spezialisieren, zum Beispiel als Diensthundeführer oder Ermittler. Bundespolizisten werden bundesweit eingesetzt, mit dem Ziel, Anwärter in der Nähe ihres Wohnortes auszubilden und nach dem Abschluss dort zu platzieren. Für wichtige Regionen gibt es spezielle Programme für regionale Verwendungsmöglichkeiten.

Der gehobene Dienst: Dein Weg zum Kommissar

Für diejenigen, die sich für eine Führungsposition interessieren und bereits im Polizeidienst tätig sind oder ein Studium anstreben, bieten sowohl Bundes- als auch Landespolizei den Einstieg in den gehobenen Dienst an. Die Ausbildung umfasst ein dreijähriges Diplomstudium, in dem du 25 Module absolvieren und neun Monate praktische Erfahrungen sammeln wirst. Die Studieninhalte sind abwechslungsreich und decken Bereiche wie Rechtswissenschaften, Psychologie, Politik, Einsatz- und Führungslehre ab.

Dein Studium orientiert sich an einem Bachelorstudiengang und kombiniert theoretische und praktische Phasen. Nach dem erfolgreichen Abschluss erhältst du den Titel Diplomverwaltungswirtin oder -wirt (FH) und wirst Polizeikommissarin oder -kommissar.

Die Ausbildung bei der Bundespolizei

Die Ausbildung beginnt an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl bei Bonn und wird in Lübeck fortgesetzt. Dort wirst du von erfahrenen Professoren sowie Polizeibeamten aus dem höheren Dienst unterrichtet. Du studierst zusammen mit Aufstiegsbeamten, die bereits praktische Erfahrungen aus dem mittleren Dienst mitbringen.

Die Ausbildung bei der Landespolizei

In Bayern wird die Ausbildung im gehobenen Dienst der Landespolizei an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD), Fachbereich Polizei, durchgeführt. Die Hochschule hat ihren Hauptsitz in Fürstenfeldbruck, mit weiteren Ausbildungsstandorten in Sulzbach-Rosenberg und Würzburg.

Die Ausbildung kombiniert wie in anderen Bundesländern theoretischen Unterricht mit praktischen Einsätzen, ist jedoch speziell auf die Anforderungen Bayerns abgestimmt. Dazu gehören unter anderem Schwerpunkte auf den Schutz von Großveranstaltungen wie dem Oktoberfest, der Sicherheit in ländlichen und urbanen Räumen sowie der grenznahen Polizeiarbeit, da Bayern an mehrere Nachbarstaaten grenzt.

Ausbildung abgeschlossen? Hier kannst du arbeiten

Nach deinem Abschluss stehen dir zahlreiche Karrierewege offen. Ob im Ermittlungsdienst, im Kontroll- und Streifendienst, in der Sachbearbeitung oder in einer ersten Führungsrolle – die Möglichkeiten sind vielfältig. Mit zusätzlichen Fortbildungen kannst du auch in höhere Positionen aufsteigen, etwa eine Dienstgruppe leiten oder einen Einsatzzug führen. Bei Eignung stehen dir sogar Wechselmöglichkeiten zum Flugdienst, zur Bundespolizei See oder zur Spezialeinheit GSG 9 offen.

Der höhere Dienst: Masterstudium und Führungspositionen

Der höhere Polizeivollzugsdienst richtet sich an Führungspersönlichkeiten und Expertinnen sowie Experten, die Management- und Beratungsaufgaben übernehmen. Sowohl Bundes- als auch Landespolizei bieten entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten, jedoch unterscheiden sich die Ausbildungsschwerpunkte und Standorte.

Bundespolizei (Masterstudium):

  • Masterstudiengang „Öffentliche Verwaltung – Polizeimanagement“: Zweijähriges Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster und weiteren Ausbildungszentren wie Lübeck und Wiesbaden.
  • Inhalte: Einsatzlehre, Psychologie, Kriminalistik und Führungslehre.
  • Karriere: Nach Abschluss können Absolventinnen und Absolventen Leitungspositionen bei der Bundespolizei übernehmen, wie die Führung großer Dienststellen oder die strategische Einsatzplanung.

Landespolizei: Die Ausbildung für den höheren Dienst findet hier ebenfalls an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster statt, mit einem Schwerpunkt auf Krisenmanagement und Führungsaufgaben. Absolventen steigen in den höheren Dienst der Landespolizei ein und übernehmen Leitungsrollen innerhalb der Dienststellen des jeweiligen Bundeslandes.

Mindestgröße bei der Polizei – das musst du wissen

Die Mindestgröße ist in vielen Bundesländern eine wichtige Voraussetzung für die Bewerbung bei der Polizei, um sicherzustellen, dass Bewerber die physischen Anforderungen des Berufs erfüllen. Diese Anforderungen variieren je nach Bundesland, wobei in einigen Regionen keine feste Mindestgröße besteht. Stattdessen wird die körperliche Leistungsfähigkeit durch spezielle Tests bewertet, was mehr Menschen die Chance gibt, sich zu qualifizieren. Die Mindestgröße soll gewährleisten, dass Polizeibeamte im Einsatz nicht benachteiligt werden und die erforderliche Ausrüstung nutzen können. In Bayern gilt beispielsweise eine Mindestgröße von 1,60 Metern.

Es gibt jedoch auch Maximalgrößen, die in der Regel bei etwa 2 Metern liegen, da eine übermäßige Größe die Beweglichkeit einschränken kann. In einigen Bundesländern sind Ausnahmen für Bewerber, die die Mindestgröße nicht erreichen, möglich. Diese müssen dann einen Körpereignungstest absolvieren, um ihre Eignung nachzuweisen. Kritiker der Mindestgrößenregelung argumentieren, dass die körperliche Fitness wichtiger sei als die Körpergröße und fordern eine Überarbeitung der Anforderungen. Wenn Bewerber die Mindestgröße nicht erfüllen, können sie nach Ausnahmeregelungen fragen, in anderen Bundesländern ohne Mindestgrößenanforderungen bewerben oder ihre körperliche Fitness verbessern, um sich erneut zu bewerben.

Zur Polizei als Quereinsteiger

Ein Quereinstieg zur Polizei ist in verschiedenen Bereichen möglich und richtet sich vor allem an Personen mit beruflicher Vorerfahrung oder spezifischen Fachkenntnissen. Die Einsatzmöglichkeiten für Quereinsteiger variieren dabei zwischen Bundes- und Landespolizei. Ein Quereinstieg ist für Personen denkbar, die eine abgeschlossene Berufsausbildung und relevante praktische Erfahrungen mitbringen.

Bei der Bundespolizei haben Quereinsteiger mit Kenntnissen in technischen, medizinischen oder IT-Bereichen gute Chancen auf eine Anstellung, allerdings meist in unterstützenden oder administrativen Positionen. Für eine Tätigkeit im Vollzugsdienst ist in der Regel eine spezielle polizeiliche Ausbildung erforderlich.

Auch bei der Landespolizei können Fachkräfte aus IT, Medizin oder handwerklichen Berufen eine Anstellung in administrativen Bereichen finden. Die Voraussetzungen und Möglichkeiten unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Interessierte sollten sich deshalb bei den jeweiligen Landespolizeien über die spezifischen Anforderungen informieren.

Für einen erfolgreichen Quereinstieg empfiehlt es sich, die offiziellen Webseiten der Polizeibehörden zu besuchen, auf denen aktuelle Stellenangebote und Anforderungen veröffentlicht werden. Oftmals sind ein Einstellungstest oder ein Vorstellungsgespräch Teil des Auswahlprozesses; in manchen Fällen wird auch ein vorbereitender Lehrgang vor Dienstbeginn angeboten.

Zusätzlich ist es ratsam, das persönliche Gespräch mit den Personalabteilungen der Polizei zu suchen. Da geeignete Quereinsteiger oft nachgefragt werden, auch wenn keine Stellen ausgeschrieben sind, kann Eigeninitiative entscheidend dazu beitragen, die eigene Bewerbung erfolgreich zu platzieren.