Fachkräftemangel im Handwerk- 7 Tipps für Betriebe

Davon, dass im Handwerk ständig Fachkräftemangel herrscht, haben wir schon alle einmal gehört. Doch wie entsteht dieser? Und vor allem: Was können Betriebe dagegen tun?  

Eine Frau arbeitet mit zwei Männern an einer Maschine

Ursachen des Fachkräftemangels im Handwerk

Wie entsteht Fachkräftemangel überhaupt? Hier haben wir einige Gründe aufgezählt, die zur Entstehung führen.  

  1. Demografischer Wandel: Ein demografischer Wandel in der Gesellschaft führt häufig dazu, dass qualifiziertes Personal knapp wird. Dies geschieht zum Beispiel durch hohe Auswanderungsraten, einen allgemeinen Rückgang der Geburtenrate in Deutschland (der seit 2010 jedoch wieder leicht steigt) oder schlechte Bildungsstandards. Gleichzeitig bleibt oder steigt jedoch der Bedarf an Spezialisten und Experten auf Unternehmensseite. Diese gegensätzliche Entwicklung von Angebot und Nachfrage führt zunächst zu einem Engpass an Fachkräften, der langfristig zu einem Mangel führt. Der demografische Wandel hinterlässt deutliche Spuren auf dem engen bis leergefegten Arbeitsmarkt. Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter im Ruhestand durch junge Arbeitnehmer zu ersetzen. 
  1. Veränderte Bedingungen am Arbeitsmarkt: Eine weitere Ursache sind die veränderten Bedingungen am Arbeitsmarkt, da Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leichter als früher zu einem anderen Arbeitgeber innerhalb der handwerklichen Branche wechseln. Viele wechseln jedoch auch zur Industrie, denn die Konkurrenz um Fachkräfte ist groß.   
  1. Imageproblem des Handwerkerberufs: Obwohl das Ansehen des Handwerkers in der Bevölkerung sehr gut ist, gelingt es kaum, dieses Image für die eigenen Zwecke und eine erfolgreiche Nachwuchswerbung zu nutzen. Das traditionelle Führungsmodell und der technische Rückstand haben das Image des Handwerks beeinträchtigt, aber junge Menschen bringen mittlerweile wieder Modernität mit dem Handwerk in Verbindung.  
  1. Mangel an Auszubildenden: Das größte Problem beim Fachkräftemangel liegt heutzutage auch im Mangel an Auszubildenden. Wenn Unternehmen heute Azubis fehlen, werden ihnen morgen die Fachkräfte fehlen. Daher sollten Betriebe jetzt vor allem in die Suche nach Auszubildenden und eine ansprechende Ausbildung investieren. 
  1. Uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit: Durch diesen Grundsatz der EU ist es den Bürgerinnen und Bürgern möglich, in jedem Mitgliedsstaat der EU zu arbeiten und sich niederzulassen. Die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreiheit kann den Fachkräftemangel verschärfen, indem qualifizierte Arbeitskräfte in Länder mit besseren Bedingungen auswandern. 

7 Tipps zur Bewältigung des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen, da Engpässe entstehen und es schwierig wird, mit der Konkurrenz Schritt zu halten. Qualifizierte Fachkräfte sind treibende Kräfte für Innovationen und neues Wachstum in einem Unternehmen. Wenn ein Betrieb es schafft, qualifizierte Fachkräfte anzuziehen und langfristig an sich zu binden, erhöht dies die Mitarbeiterzufriedenheit und verringert die Fluktuation. Ein Betrieb, der aktiv gegen den Fachkräftemangel vorgeht und gute Arbeitsbedingungen bietet, stärkt sein Image als attraktiver Arbeitgeber. Indem Betriebe Maßnahmen ergreifen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, tragen sie zur langfristigen Stabilität und Entwicklung der Wirtschaft bei. Wir haben 7 Tipps für Betriebe, die ihnen dabei helfen können, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken 

Tipp 1: Aufbau eines positiven Arbeitgeberimages

Betriebe können aktiv ihr Image verbessern, indem sie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit betreiben und über die vielfältigen Karrieremöglichkeiten im Handwerk informieren. Auch durch attraktive Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance und faire Vergütung kann das Image des Betriebes verbessert werden. Betriebe sollten ihr Arbeitgeberimage daraufhin aktiv kommunizieren, z.B. durch Marketing und positive Erfahrungsberichte. Marketing-Maßnahmen sind ein essentieller Bestandteil im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Eine offene Unternehmenskultur und Chancengleichheit sind wichtig, um verschiedene Fachkräfte anzusprechen.  

Tipp 2: Förderung der Digitalisierung

Durch die Investition in digitale Technologien und die Förderung von digitalen Kompetenzen können Betriebe attraktiver für Fachkräfte werden, die sich mit modernen Arbeitsweisen auskennen. Betriebe können zum Beispiel das Remote- Arbeiten für Web-Entwickler oder Programmierer steigern. So können geografische Beschränkungen aufgehoben werden, denn durch die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, können Unternehmen auf einen größeren Pool an potenziellen Mitarbeitern zugreifen und so qualifizierte Fachkräfte finden, die möglicherweise nicht in der Nähe des Unternehmensstandorts leben.  

Tipp 3: Zapfen von ungenutzten Potentialen

Ungenutzte Potentiale, wie Frauen in Teilzeit oder Elternzeit zu fördern oder qualifizierte Migrantinnen und Migranten einzusetzen, sollten auch nicht unbeachtet bleiben. Dieses Zapfen ungenutzter Potentialen kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu mindern. Indem mehr Menschen mit der fehlenden Expertise in den Arbeitsmarkt integriert werden und vorhandene Qualifikationen besser genutzt werden, kann der Bedarf an Fachkräften gedeckt werden.

Tipp 4: Überdenken von Arbeitsgestaltung

Betriebe können dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegenwirken, indem sie ihre Arbeitsgestaltung überdenken. So können sie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten anbieten, die Work-Life-Balance verbessern und Weiterbildungsmöglichkeiten bereitstellen. Zudem sollten attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden und die Digitalisierung und Automatisierung genutzt werden. Eine verstärkte Ausbildungsförderung und die Schaffung attraktiver Karrieremöglichkeiten sind ebenfalls wichtig. Diese Maßnahmen sollten individuell auf den Betrieb zugeschnitten sein und regelmäßig überprüft und angepasst werden. 

Tipp 5: Internationaler Austausch

Betriebe können auch international nach Fachkräften suchen und diese gezielt für eine Tätigkeit im Handwerk gewinnen. Dieser Austausch kann dazu beitragen, den Fachkräftemangel einzudämmen, indem er neue Ideen und Fähigkeiten einführt, die Rekrutierung erleichtert und das Image des Handwerks verbessert. 

Tipp 6: Kooperation mit Schulen

Durch die Zusammenarbeit mit Schulen können Betriebe das Interesse junger Menschen am Handwerk wecken und sie für eine Ausbildung im handwerklichen Bereich begeistern. Betriebe können außerdem Schulen dabei unterstützen, die Lehrerinnen und Lehrer in handwerklichen Bereichen weiterzubilden. Dies kann dazu beitragen, dass Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern aktuelles Wissen und praktische Fähigkeiten vermitteln können. Auch die generelle Förderung von handwerklichen Talenten in Schulen kann Berufe im Handwerk attraktiver für Schülerinnen und Schüler machen. Betriebe können Wettbewerbe organisieren oder Stipendien vergeben.  

Tipp 7: Frühzeitige Nachwuchsgewinnung

Dieser Tipp geht Hand in Hand mit Tipp 6. Betriebe sollten bereits frühzeitig Kontakt zu potenziellen Auszubildenden, zum Beispiel in Schulen, aufnehmen. Sie könnten beispielsweise durch Praktika oder Schnuppertage das Interesse am Handwerk wecken und langfristig Fachkräfte zu gewinnen. Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen und Branchennetzwerken können den Nachwuchs fördern und potenzielle Fachkräfte ansprechen. 

Fazit: Der Fachkräftemangel kann behoben werden

Der Fachkräftemangel innerhalb des Handwerks ist ein wichtiger Aspekt innerhalb der Arbeitswelt, der nicht vergessen werden darf. Wie du siehst, gibt es allerdings viele Möglichkeiten für Betriebe, ihm entgegenzuwirken – diese sollten auf keinen Fall ignoriert werden. Du bemerkst, dass es in deinem Betrieb eng um Fachkräfte wird? Schlage doch ein, zwei dieser Tipps vor. Worauf wartest du noch?