Warum der Beruf des Elektrikers der vielfältigste Handwerksberuf ist

Du stehst dauernd unter Spannung und arbeitest gerne händisch? Du willst Verantwortung tragen und bist ein guter Planer? Dann ist der Job als Elektriker wie für dich geschaffen.

Handwerker arbeitet mit Zange am Stromkasten
Elektriker: Ein Beruf mit Zukunft. /Quelle: Adobestock/ puhimec

Elektriker oder Elektroniker? Wie heißt es nun richtig?

Tatsächlich gibt es die Berufsbezeichnung Elektriker seit 2003 nicht mehr. Auch wenn er weiterhin in aller Munde ist, so lautet die exakte Berufsbezeichnung nun Elektroniker. Der Einfachheit halber werden wir weiterhin vom Elektriker sprechen.

Abwechslungsreiche Berufsfelder als Elektriker

Als angehender Elektriker hast du die Qual der Wahl. Eine Vielzahl verschiedener Ausbildungsberufe stehen dir zur Verfügung. Mit unserer Übersicht ist es dir ein Leichtes, den für dich perfekt zugeschnittenen Beruf zu finden. Kaum ein Beruf ist so vielfältig gestaltet wie der des Elektrikers.

Es gibt folgende Berufsfelder als Elektriker:

  • Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik
  • Informationselektroniker
  • Fluggeräteelektroniker
  • Elektroniker für Informations- und Systemtechnik
  • Elektroniker für Geräte und Systeme
  • Elektroniker für Gebäudesystemintegration
  • Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme
  • Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik
  • Elektroniker für Betriebstechnik
  • Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik

 Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik

Du arbeitest hauptsächlich an Fräsmaschinen und stellst Bauteile für elektrische Maschinen her. Anschließend montierst du die Einzelteile zu einem fertigen Produkt zusammen. Auch Reparaturarbeiten stehen an. Hier wirst du die Geräte genauestens analysieren und defekte Teile ersetzen.

Informationselektroniker

Bist du eher ein Softwarejunkie? Dann ist der Informationselektroniker etwas für dich. Hier richtest du Programme und Netzwerke ein. Du reparierst technische Anlagen und berätst die Kunden im Umgang mit technischen Produkten.

Fluggeräteelektroniker

Willst du hoch hinaus? Dann entscheide dich für den Fluggeräteelektroniker. Du wartest und reparierst hierbei die verschiedensten Bestandteile eines Flugzeuges. Sei es der Antrieb oder aber eines der Messinstrumente. Wenn du bereits in Flugsimulatoren die kleinsten Teile haargenau analysiert hast, dann ist dieser Beruf ein Traum für dich. Der Europaassistent ermöglicht es dir dabei mit der mittleren Reife weitere Fähigkeiten zu erlangen. Hierzu gehört ein mehrwöchiges Auslandspraktikum.

Elektroniker für Informations- und Systemtechnik

Diese Stelle bietet dir einen idealen Spagat zwischen Hard- und Softwaretätigkeiten. Du konfigurierst Betriebssysteme und richtest Benutzeroberflächen ein. Gleichzeitig kannst du aber auch deine Fähigkeiten im Umgang mit Hardware unter Beweis stellen. So integrierst du Hard und Software in einem Paket und führst Systemtests durch. Ebenso reparierst du defekte Systeme.

Elektroniker für Geräte und Systeme

Wenn du bereits in der Schule den vollen Durchblick hattest, dann entscheide dich für den Elektroniker für Geräte und Systeme. Du stellst elektronische Geräte her und erstellst Leiterplatten. Du übernimmst Tätigkeiten aus dem Managementsegment, behältst das Sortiment im Blick und bestellst notwendige Teile nach. Du berätst Kunden und führst diese in die Nutzung der Geräte ein. Du dokumentierst und planst System- und Produktionsabläufe.

Elektroniker für Gebäudesystemintegration

Du arbeitest hier eng mit dem Auftraggeber, meist ein Hauseigentümer oder Vermieter zusammen und erstellst mithilfe von technischen Plänen eine komplexe Vernetzung des Gebäudes. Systemtests finden hier ebenso statt, dennoch liegt der Fokus auf dem korrekten Handwerk.

Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme

Du planst hier nicht nur Elektrizitätssysteme, sondern die gesamte Infrastruktur eines Gebäudes. Heiz- und Lüftungssysteme werden dabei nicht nur in Wohnhäusern, sondern auch in Krankenhäusern und Schulen verbaut. Dabei arbeitest du überwiegend in der Planung. Du erstellst Fehlerdiagnosen und überwachst die Anlagen. Kosten werden kalkuliert und bei Bedarf Unterstützung von Drittanbietern eingefordert. Warst du gut in Mathe? Dann ist dies eine gute Ausbildung für dich. Aufgrund des höheren Anspruchs kannst du hier mit einem besseren Lohn rechnen.

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Du bist für die Elektroinstallation im großen Spektrum verantwortlich. Hattest du bereits einen Elektriker im Haus, der einen Ofen anschloss oder im Notdienst Fehler behoben hat? Diese Person hatte mit Sicherheit diese Ausbildung absolviert.  Du wirst Beleuchtungsanlagen und Klimageräte einbauen und diese konfigurieren. Du bist der Helfer in der Not. Dementsprechend wichtig ist dieser Beruf.

Elektroniker für Betriebstechnik

Wenn du Interesse an einer Tätigkeit im industriellen Umfeld anstrebst, dann solltest du diese Ausbildung wählen. Du installierst hierbei elektrische Anlagen und Automatisierungstechnik. Das Verlegen von Leitungen steht dabei ebenso auf dem Plan, wie die Konfiguration von Sicherheitseinrichtungen.

Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik

Als Elektroniker für Automatisierungs- und Systemtechnik sorgst du dafür, dass Sensoren mit ihren jeweiligen Gegenstücken sauber zusammenarbeiten. Du planst und erstellst technische Abläufe, um einen sauberen Arbeitsfluss zu gewähren.

 Wissenswertes zur Ausbildung

Wenn du nun eine Ausbildung zum Elektriker, anstrebst solltest du noch folgende Dinge wissen:

  • Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre
  • Für die meisten Betriebe ist ein Hauptschulabschluss ausreichend
  • Eventuell ist ein Führerschein notwendig (z.B. beim Kundenbesuch)
  • Möglicherweise wird eine Atemschutztauglichkeit nach G26.3 angefordert, eine Kennzeichnung für die Tragbarkeit von Schutzmasken

Wie du siehst, gibt es für jeden den passenden Beruf, der sich auch nur im Entferntesten für Technik interessiert. Es sollte ein Leichtes sein, eine für dich passende Stelle zu finden.

Gutes Gehalt: Was verdient man als Elektriker?

Abhängig vom Arbeitsfeld kann es einige Schwankungen im Lohn geben. Du kannst dich aber stets über eine ansprechende Vergütung freuen. Du solltest dementsprechend nicht den Lohn als einzigen Grund für deine Berufswahl ansehen.

Willst du im Elektrohandwerk arbeiten, kannst du in der Ausbildung mit folgender Vergütung nach Hause gehen:

  • ca. 800 Euro bis 1100 Euro im 1. Lehrjahr
  • ca. 850 Euro bis 1200 Euro im 2. Lehrjahr
  • ca. 900 Euro bis 1300 Euro im 3. Lehrjahr
  • ca. 950 Euro bis 1300 Euro im 4. Lehrjahr

In der Industrie sind folgende Ausbildungsvergütungen der Schnitt:

  • ca. 1000 Euro bis 1150 Euro im 1. Lehrjahr
  • ca. 1050 Euro bis 1200 Euro im 2. Lehrjahr
  • ca. 1150 Euro bis 1250 Euro im 3. Lehrjahr
  • ca. 1200 Euro bis 1350 Euro im 4. Lehrjahr

Wenn du dich in Bayern bewirbst, kannst du mit ungefähr 50 bis 100 Euro mehr rechnen. Wenn du dich allerdings für eine schulische Ausbildung entscheidest, wirst du keinen Lohn erhalten. Hier steht dir dennoch die Beantragung eines Schüler-BAföGs zur Verfügung.

Hast du deine Ausbildung abgeschlossen, kannst du dich über ein sehr gutes Einstiegsgehalt freuen. So kannst du in der Elektro- und Gebäudetechnik mit durchschnittlich 3000 Euro rechnen. Machst du einen Meister sind es bereits 4000 Euro brutto.

Süddeutschland weist dabei die höchsten Löhne Deutschlands auf. So verdient der typische Elektriker in Bayern 3711 Euro Brutto im Monat. Nur Baden-Württemberg und Hessen toppen dies noch um weitere 50 bis 100 Euro.

Leichter Einstieg: Elektriker ohne Ausbildung?

Hast du bereits Kenntnisse, die eine Ausbildung obsolet machen? Dann gibt es auch für die Chance, innerhalb kürzester Zeit einen Abschluss zu erhalten. Dabei ist aber zu bedenken, dass hierbei mitunter hohe Anforderungen auf dich zukommen.

Als Auszubildender wirst du spezifisch auf die jeweiligen Teilaspekte der Prüfung vorbereitet. Diese ist dabei sehr komplex und übertrifft dabei zumeist auch die typischen Tätigkeiten innerhalb eines Ausbildungsbetriebes. Es ist daher ratsam, einen Ausbilder zu kennen, welcher dich umfangreich auf die Prüfung vorbereitet.

Als grundlegender Maßstab kann gesagt werden, dass du mindestens 1,5 mal so lange im Handwerk tätig sein solltest, wie die Ausbildung dauern würde. Dies macht nach Adam Riese 4 Jahre und 5 Monate (bei drei Jahren regulärer Ausbildung).

Wo melde ich die Prüfung an?

Zwei Mal im Jahr kann bei deiner regionalen Handwerkskammer eine Prüfung angemeldet werden. Entweder meldest du dich bis zum 1. März eines Jahres an. Hierbei würde die schriftliche Prüfung im Mai und die praktische Prüfung zwischen Juni und August stattfinden.

Möchtest du dich erst später anmelden, wäre die Deadline auf den 1. September gelegt. Hier findet die Prüfung zuerst schriftlich im November und praktisch zwischen Dezember und März statt.

Der Kostenpunkt beläuft sich hierbei auf 210 Euro für die Prüfung plus variable Materialkosten für das Gesellenstück. Kosten für Lehrmaterialien sind hierbei nicht eingerechnet.

Du solltest bedenken, dass du deine Berufserfahrung mithilfe von Arbeitszeugnissen vorlegen musst. Auch einen Antrag auf die Externenprüfung wirst du benötigen.

Viele Ausbildungsbetriebe

Willst du Elektriker werden? Dann wirst du überall fündig. Jedes Unternehmen, jeder Haushalt und jede Straßenlaterne benötigen für ihre Inbetriebnahme und Wartung einen Elektriker. Jeder angeschlossene Herd wird von einem Elektriker angeschlossen (zumindest, wenn dies versichert sein soll). Ohne Elektriker könntest du diesen Text gar nicht erst lesen.

Dementsprechend leicht wird es für dich, eine Ausbildungsstelle als Elektriker zu finden. Durch den Mangel an Fachkräften sucht sich aktuell nicht der Betrieb die Bewerber aus, sondern umgekehrt.

Zukunftssicher: Elektriker werden immer gesucht

Wie bereits erwähnt sind Elektriker überall anzutreffen, wo Strom fließt. Solange wir also gesellschaftlich nicht zurück in die vorindustrielle Zeit zurückkehren, wirst du immer eine Anstellung als Elektriker finden. Insbesondere in einer Zeit, welche mit dem Verschwinden vieler Berufe einhergeht, kannst du mit deiner Jobauswahl ein gewisses Maß an Sicherheit schaffen.

Sollte dir das nicht ausreichen, dann schaue dir mal diese technischen Fortschritte an, um die Wichtigkeit eines Elektrikers zu untermauern.

  • 3D-Drucker
  • 5G
  • Augmented- und Virtual Reality
  • Roboterelektronik
  • Photonik
  • Wearables

Du siehst, als Elektriker kannst du dich auf viele neue, spannende Technologien freuen.

Elektrikermeister und Weiterbildung: Aufstiegschancen en masse

Als Elektriker bietet sich dir ein großes Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten. So kannst du beispielsweise eine Meisterprüfung ablegen und dich selbstständig machen. Als Beispiel steht dir zum Beispiel der Elektromeister für Energie- und Gebäudetechnik zur Auswahl. Auch der Industriemeister für Elektro oder aber der technische Fachwirt für Elektrotechnik sind möglich.

Technische Fortschritte schaffen, wie bereits in Punkt 5 angesprochen, immer wieder neue Berufsfelder, welche du dir mit einer Weiterbildung erschließen kannst. Sei gespannt auf kommende, spannende Technologien, z.B. im Sektor der erneuerbaren Energien.

Studium zum Ingenieur für Elektrotechnik: Auch mit Abitur eine gute Wahl

Wenn du bereits ein Abitur abgeschlossen hast, so ist ein Studium zum Ingenieur empfehlenswert. Der Fokus liegt dabei auf einem Teilgebiet der Elektrotechnik. Es gibt hierbei folgende Themenschwerpunkte:

  • Elektronik
  • Energietechnik
  • Nanotechnologie
  • Robotik
  • Antriebstechnik
  • Gebäudetechnik
  • Nachrichtentechnik
  • Forschung

So abwechslungsreich die Schwerpunkte sind, so unterschiedlich sind die Tätigkeiten.  Ähnlich wie in den Ausbildungsberufen solltest du dich entsprechend deiner Interessen für einen der Studiengänge entscheiden.

Fazit: Als Elektriker bist du blitzschnell im Traumjob

Du hast als angehender Elektriker die Auswahl zwischen einer Vielzahl an potenziellen Themenschwerpunkten.  Du kannst, falls du bereits Vorkenntnisse besitzt, auf eine Ausbildung verzichten. Du bekommst darüber hinaus schnell eine Stelle, sei es als Ausbildung oder im Anschluss daran. Du wirst mit einem zufriedenstellenden Gehalt nach Hause gehen.

Wenn sich deine Lebensumstände verändern, kannst du mithilfe einer Weiterbildung, neue Wege erkunden. Außerdem entscheidest du dich für einen zukunftsträchtigen Job, der dir und deiner Familie eine dauerhafte Lebensgrundlage bietet.