Pädagogisch arbeiten mit Kindern: Welche Fähigkeiten solltest du als Erzieherin oder Erzieher mitbringen?

Der Beruf des Erziehers bietet eine Vielzahl an spannenden Tätigkeiten. Bereite dich mit unserem Guide perfekt auf deine zukünftige Arbeit vor. Wir zeigen dir, was du können musst.

Eine Frau spielt mit Kindern am Tisch
Als Erzieher bist du ein echtes Multitasking-Talent.  / Quelle: Adobestock/ lordn

Du arbeitest gern mit Kindern, hast selbst welche oder spielst oft mit den Nachbarskindern? Du kannst dir vorstellen, dieser Tätigkeit auch beruflich nachzugehen? Dann ist der Beruf des Erziehers genau der Richtige für dich. Der beliebteste Arbeitsplatz für Erzieher ist seit jeher die Kita. Die Chancen, eine Stelle zu bekommen, stehen sehr gut. Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern ist in den meisten Bundesländern sehr hoch. Allein in Bayern fehlen zur erfolgreichen Erfüllung des Personalschlüssels fast 9000 Erziehungskräfte.

Balkendiagramm zum Personalschlüssel
Quelle: Statista (2016) 

Einige Anforderungen hat der Beruf des Erziehers dennoch. Höchstwahrscheinlich erfüllst du den Großteil bereits, wenn du einen solchen Job anstrebst. Wir haben dir an dieser Stelle die Grundvoraussetzungen zusammengefasst. Somit steht deiner Karriere im Erziehungswesen nichts mehr im Weg.

Typische Tätigkeiten als Erzieher: Weitaus vielfältiger als du denkst

Um dich bestens auf deinen neuen Job vorzubereiten, solltest du einen Blick auf typische Arbeitsbereiche legen. Hier siehst du bereits die Vielzahl an Tätigkeiten, die das Berufsbild des Erziehers abdeckt:

  • Lösung von Konflikten und bei Bedarf das Kind trösten
  • Selbstständigkeit des Kindes fördern
  • Gespräche mit den Eltern führen
  • Förderung individueller Fähigkeiten der Kinder
  • Mahlzeiten zubereiten und überblicken
  • Veranstaltungen planen
  • Unterstützung beim An- und Ausziehen
  • Körperpflege (Wickeln, Zähneputzen)
  • viele weitere individuelle und kreative Tätigkeiten

Du kannst dich während deiner Berufslaufbahn auf eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten freuen. Diese bieten dir neben einem höheren Lohn auch die Möglichkeit, dich weiter in deinen Fähigkeiten zu verbessern und neue Denkanstöße zu bekommen. Möglich sind hierbei der Fachwirt im Erziehungswesen, der Betriebswirt im Sozialwesen oder auch der Fachwirt für Organisation und Führung im Sozialwesen.

Schule und Ausbildung: Welchen Abschluss benötige ich als Erzieher?

Deine Ausbildung als Erzieherin oder Erzieher findet als Aufstiegsfortbildung statt, das heißt, dass mehrere Schritte für den erfolgreichen Abschluss nötig sind. So kannst du an einer Fachakademie für Sozialpädagogik oder direkt an der Berufsfachschule eine Grundausbildung zur Kinderpflegerin bzw. zum Kinderpfleger innerhalb von zwei Jahren absolvieren. Jeder Schulabschluss berechtigt zur Ausbildung als Kinderpfleger.

Wenn du allerdings über die mittlere Reife verfügst, lässt sich mithilfe des sogenannten einjährigen sozialpädagogischen Einführungsjahres (SEJ) die Ausbildungszeit auf ein Jahr verkürzen. Wichtig zu erwähnen: Als rein schulische Ausbildung kannst du BAföG beantragen.

Im Anschluss daran kannst du mit der Erzieherausbildung beginnen. Diese dauert drei Jahre, zwei davon deckt die Schulausbildung ab, das Dritte wird im Praktikum verbracht. Hierbei steht dir, ergänzend zur Grundausbildung, ein Aufstiegs-BAföG zur Verfügung. Im dritten Jahr kommt zusätzlich ein Gehalt für das ausgeübte Praktikum von ungefähr 1.500 Euro brutto hinzu.

In Franken bietet sich die Fachakademie Bamberg als zentrale Ausbildungsstätte an. Der praxisorientierte Unterricht beinhaltet unter anderem folgende Fächer:

  • Literatur
  • Erziehungstheorien
  • Kunst
  • Musik
  • Konfliktmanagement
  • Entwicklungspsychologie
  • Ernährung
  • Verwaltung

Es ist von Vorteil, in fachbezogenen Unterrichtsfächern bereits gute Schulnoten vorzuweisen, aber nicht zwingend erforderlich. Künstlerische Begabungen können dir helfen, ebendiese Fähigkeiten in den Kindern zu wecken. Warst du in der Schule bereits eine Leseratte? Dieses Hobby kannst du perfekt in dein Arbeitsumfeld einbinden.

Solltest du dich für eine praxisintegrierte Ausbildung (PiA) entscheiden, arbeitest du bereits ab dem ersten Jahr neben der Schule in einer Kita. In dieser Ausbildungsform steht dir von Anfang an ein Gehalt zu. So wirst du im ersten Jahr 1.140 Euro, im Zweiten 1.200 Euro und im Letzten schließlich 1.300 Euro. Im Anschluss kannst du mit einem Bruttolohn von 2.600 bis 3.200 Euro rechnen, je nach deiner Berufserfahrung.

Geistige und soziale Fähigkeiten: Mit Einfühlungsvermögen und Empathie zum Kitaheld

Du kannst du dich bei der Arbeit mit heranwachsenden auf ehrliches und herzliches Feedback deiner Sprösslinge freuen. Du solltest auch in stressigen Situationen stets einen kühlen Kopf bewahren. Die Anzahl der zu betreuenden Kinder kann zwischen Stadtteilen stark schwanken, doch selbst bei einer kleinen Kindergruppe ist ein hohes Maß an Organisationsfähigkeit nötig.

Empathie darf dabei nicht nur den Kindern entgegengebracht werden. Gespräche mit den Eltern stehen ebenso auf der Tagesordnung. Es ist wichtig, ihre Anliegen zu verstehen, auch wenn du ihre Meinungen nicht immer teilst. Du musst immer im Hinterkopf behalten, dass Eltern sich immer um ihr Kind sorgen, vor allem, wenn sie es selbst nicht im Blick haben können.

Trotz aller Empathie ist es notwendig, eine gewisse Distanz zu wahren. Du bist ein Dienstleister, kein Elternteil. Es kann schwer sein, eine emotionale Distanz bei körperlicher Nähe zu wahren. Ein richtiges Maß musst du letzten Endes für dich selbst finden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass du selbst leidest, wenn es einem Kind nicht gut geht. Schlimmstenfalls nimmst du diese Sorgen mit nach Hause.

Teamwork: zusammen zum Ziel

Als Erzieher arbeitest du mit deinen Kollegen in einem Team, dementsprechend ist ein gemeinsames Zusammenarbeiten oberste Pflicht. Viele Aufgaben sind nur im Team zu meistern. Kommunikationsfähigkeit wird ebenso vorausgesetzt wie Kritikfähigkeit, falls doch einmal etwas nicht so laufen sollte wie geplant. Gleichzeitig musst du dich auch durchsetzen können, insbesondere bei den Kindern. Die Herausforderung besteht darin, ruhig und selbstbewusst aufzutreten.

Kenntnisse über kindliche Entwicklungsprozesse: Literatur als Unterstützung für die Erziehertätigkeit

Was macht eine gute Erzieherin bzw. einen guten Erzieher aus? Wissen über Kinder. Vor allem kleine Kinder zeigen für Außenstehende nicht immer ganz nachvollziehbare Verhaltensmuster auf. Dabei ist zu beachten, dass dies allein dem Mangel an Wissen zugrunde liegt. Aus Sicht des Kindes sind die eigenen Handlungen stets sinnvoll.

Ein Verständnis über den richtigen Umgang mit Kindern beinhaltet auch Kenntnisse über deren Psychologie. Auf diese Weise wirst du die betreuten Kinder besser verstehen und schadhafte Außeneinflüsse wahrnehmen und vermeiden können.

Es ist außerordentlich sinnvoll, wenn du dich ausführlich mit den kognitiven Entwicklungsphasen des Kindes auseinandersetzt. Du wirst abhängig vom Alter starke Unterschiede im Verhalten und in den Fähigkeiten erkennen. Ein halbes Jahr kann hier einen großen Unterschied machen. Stiftung Netz, ein Angebot des heilpädagogischen Dienstes in Windisch bietet diesbezüglich eine kompakte Übersicht über die Entwicklungsstadien des Kindes. Natürlich sind gewisse Schwankungen in der Entwicklung normal und kein Grund zur Sorge.

Wenn du mehr über die kindliche Psyche erfahren möchtest, können wir dir folgende Bücher empfehlen:

Der Klassiker unter den Pädagogikbüchern. Grundlage für denk-, Moral- und Intelligenzentwicklung des Kindes. Ein Muss für angehende Pädagogen und bis heute Grundlage für die Ausarbeitung pädagogischer Konzepte.

Praxisbezogenes Buch mit anwendungsorientierten Ratgebern. Baut auf Piagets Theorien auf, bindet diese aber in einen modernen Kontext ein.

Vielleicht nicht so relevant wie Piaget, aber dennoch ein wichtiges und aufschlussreiches Werk, um das Handeln des Kindes zu verstehen. Grundlage für die bis heute anerkannte Stufentheorie der Moralentwicklung.

Weitere Arbeitsfelder: Deine pädagogischen Stärken sind Grundlage für die Arbeit in Kinder- und Jugendeinrichtungen

Die meisten Menschen denken bei dem Wort Erzieher üblicherweise an die Arbeit im Kindergarten. Dabei wird schnell übersehen, wie vielfältig dieser Job sein kann. Es gibt nicht nur eine Vielzahl an möglichen Kitakonzepten (später mehr dazu), sondern auch eigene abwechslungsreiche Bereiche, in denen du arbeiten kannst.

Abhängig vom Arbeitsumfeld können die Voraussetzungen unterschiedlich sein. So ist es beispielsweise in einer Einrichtung für behinderte Kinder notwendig, etwaige medizinische Weiterbildungen abzuschließen, um Medikamente verabreichen zu dürfen. Auch die Anstellung in einer Schule für geistig- und körperlich beeinträchtigte Kinder kann für dich in Frage kommen.

Willst du dich außerhalb der typischen Bildungseinrichtungen um Kinder kümmern? Dann ist eine Tätigkeit in einem Erziehungs- oder Sommercamp etwas für dich. Insbesondere wenn du sehr schnell emotionale Bindungen aufbaust, ist dieser Arbeitsplatz aufgrund der zeitlichen Begrenztheit im Umgang mit den Kindern von Vorteil.

Willst du lieber mit älteren Kindern arbeiten kannst du dich auch in einem Hort bewerben. Weiterhin ist eine Arbeit mit älteren Jugendlichen möglich, zum Beispiel in einem Jugendzentrum. Ein weiteres potenzielles Arbeitsfeld können Kinderheime sein. Selbst in der Suchtberatung werden Erzieher benötigt, ebenso beim Jugendamt.

Kindergärten: viele Konzepte, viel Abwechslung

Wenn es dich doch in den Kindergarten verschlägt, hast du unter anderem die Wahl zwischen folgenden Kitakonzepten mit jeweils angepassten Ausbildungen:

Montessori-Konzept

Kinder sollen hier selbstständig lernen, ohne allzu viel Einfluss durch die Erzieherinnen und Erzieher zu bekommen. Das Spielzeug soll hierbei zum eigenständigen Entdecken und Lernen anregen.

Waldorf-Konzept

Ähnlich wie Waldorfschulen basiert das Konzept auf Rudolf Steiners Anthroposophie. Hier wird der Fokus weniger auf Eigenständigkeit und mehr auf richtiges Vorleben durch die Erzieher gelegt. Es soll eine spirituelle Weltanschauung vermittelt werden.

Waldkindergarten-Konzept

Hier wird komplett auf Spielzeug verzichtet, ebenso auf Räume. Der Kindergarten befindet sich im Freien, gespielt wird mit dem, was die Natur hergibt. Bei diesem Konzept wird ein sehr großer Fokus auf Bewegung gelegt. Die Anforderungen an dich als Erzieher sind dementsprechend hoch, um Verletzungen oder verlorengegangene Kinder zu vermeiden.

Situations-Konzept

Im Situationskonzept prägen die Kinder den Tagesablauf durch ihre individuellen Interessen. Es wird viel Wert auf die Bedürfnisse und Meinungen der Kinder gelegt. Dies ist die typische Form des Kindergartens und dementsprechend auch die Häufigste.

In sämtlichen Arbeitsfeldern ist es notwendig ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzuweisen, welches nicht älter als drei Monate sein darf. Die Kosten von 13 Euro musst du üblicherweise selbst tragen.

Fazit: Erzieher werden, eine gute Entscheidung

Die Arbeit mit Kindern ist ein sehr erfüllender und wichtiger Job. Du wirst viele deiner Talente in dein Arbeitsumfeld einbringen können und deinen Schützlingen bei ihrem Start ins Leben unter die Arme greifen.

Aufgrund der leichten Zugangsmöglichkeiten kannst du mit jedem Schulabschluss deinen Traum zum Erzieher verwirklichen. Die wichtigste Voraussetzung ist und bleibt das Interesse an der Arbeit mit Kindern. Durch den Anspruch auf BAföG und den zahlreichen Ausbildungsstätten wird dir der Berufseinstieg erleichtert. Dank PiA kannst du schneller in die Arbeitswelt einsteigen und dich gleichzeitig über einen stabilen Lohn freuen.

Du wirst deine empathischen Fähigkeiten stärken und lernen, mit deinen Kollegen an einem Strang zu ziehen. Durch die Ausbildung erfährst du mehr darüber, wie Kinder denken und fühlen und wie du ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stehen kannst.

Nach der Erzieherausbildung bietet sich dir eine Vielzahl an möglichen Arbeitsfeldern. Sämtliche Einrichtungen in denen Kinder und Jugendliche betreut werden sind potenzielle Arbeitgeber. Dementsprechend leicht ist es, nach der Ausbildung eine für dich passende Anstellung zu finden.