Nachts arbeiten? - Alles zur Schichtarbeit

Bereit, die Dunkelheit zu durchbrechen? Erfahre, wie die Welt jenseits der Tagesstunden aussieht. Tauche ein in die Vielfalt der Schichtarbeit und entdecke, wie sie unsere Arbeitswelt formt und beeinflusst. 

Mann arbeitet nachts vor einem Laptop

Was ist Schichtarbeit?

Schichtarbeit bedeutet, dass du zu bestimmten Zeiten arbeitest, die sich regelmäßig wiederholen und oft außerhalb der üblichen Tagesarbeitszeiten liegen, wie zum Beispiel in Früh-, Spät- oder Nachtschichten. Schichtarbeit ist in verschiedenen Berufsfeldern weit verbreitet, darunter Gesundheitswesen, Produktion, Transport, Einzelhandel, Gastgewerbe, Sicherheit, Medien und Energieversorgung.  

Die Geschichte der Schichtarbeit 

Jeder und Jede hat schon einmal etwas von Schichtarbeit gehört. Doch wieso wurde diese eingeführt? Hier eine kurze geschichtliche Erklärung: Die Schichtarbeit wurde etabliert, um den Anforderungen der industriellen Revolution gerecht zu werden. Die Entwicklung der leistungsstarken Dampfmaschine durch James Watt Ende des 18. Jahrhunderts läutete diese Ära ein. Große Industrieanlagen in Europa wurden geschaffen, in denen Dampfmaschinen Tag und Nacht liefen. Dies führte zur Einführung von Schichtarbeit, um den kontinuierlichen Betrieb sicherzustellen und den Arbeitsrhythmus von der Natur zur Maschine zu verlagern. Neue Arbeitszeitmodelle wie der Zweischichtenbetrieb wurden eingeführt, um die Leistungsfähigkeit der Arbeiter aufrechtzuerhalten und den Anforderungen der Massenproduktion gerecht zu werden. 

Die Regelungen des Arbeitsrechts im Überblick

Das Arbeitszeitgesetz regelt die grundlegenden Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In § 6 geht es um maximale Arbeitszeiten und Ruhezeiten, die von Unternehmen beachtet werden müssen. Auch die besondere Belastung durch Schichtarbeit wird hier aufgegriffen. Hier die Regelungen im Überblick:   

  • Deine werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden betragen, außer in Ausnahmefällen, wo bis zu zehn Stunden erlaubt sind. Überstunden müssen innerhalb eines Monats ausgeglichen werden. Du solltest zwischen zwei Arbeitstagen mindestens 11 Stunden Ruhezeit einhalten. 
  • Alle drei Jahre hast du das Recht, eine arbeitsmedizinische Untersuchung auf Kosten des Arbeitgebers durchzuführen, mit jährlichem Anspruch ab 50 Jahren. Unter bestimmten Bedingungen kannst du von der Nachtschicht auf einen Tagdienstplatz wechseln. 
  • Es kann unzulässig sein, Schichtarbeit zu leisten, wenn keine Betreuung für Kinder unter 12 Jahren oder die Pflege von Angehörigen möglich ist. Dir müssen in der Nachtschicht die gleichen Weiterbildungsmöglichkeiten wie den Tagschichtkollegen geboten werden. 
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Schichtdienst bekommen oft Schichtzuschläge. Allerdings hast du nur gesetzlichen Anspruch auf Nachtzuschläge. Das Arbeitszeitgesetz regelt den Ausgleich für Sonn- und Feiertagsarbeit, sowie für Nachtarbeit. Du hast Anspruch darauf, für Nachtarbeit angemessen entlohnt oder mit freien Tagen ausgeglichen zu werden. Die Höhe und Art des Zuschlags können je nach Unternehmen variieren. Tarifverträge oder individuelle Vereinbarungen können spezifische Zuschläge festlegen. Gemäß Gerichtsurteil sind Nachtzuschläge üblicherweise zwischen 25% und 30%, manchmal sogar höher, besonders für Arbeit zwischen 0 und 4 Uhr. 

Das sind die Vor – und Nachteile der Schichtarbeit

Vorteile: 

1. Flexibilität: Schichtarbeit ermöglicht es Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern, kontinuierlichen Betrieb zu gewährleisten und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Flexibilität bei der Arbeitszeit zu bieten.  

2. Höhere Bezahlung: In einigen Branchen erhältst du als Schichtarbeiterin oder Schichtarbeiter aufgrund der ungewöhnlichen Arbeitszeiten eine höhere Bezahlung.  

3. Vielfalt der Arbeitszeiten: Schichtarbeit kann für dich geeignet sein, wenn du nicht während der üblichen Bürozeiten arbeiten kannst oder willst.  

Nachteile: 

1. Gesundheitliche Auswirkungen: Schichtarbeit kann zu Schlafstörungen, erhöhtem Stress und anderen Gesundheitsproblemen führen. 

2. Soziale Auswirkungen: Schichtarbeit kann zu sozialer Isolation führen, da deine Arbeitszeiten von denen deiner Familie und Freundinnen und Freunde abweichen können. 

3. Arbeitsbelastung: Schichtarbeit kann physisch und psychisch belastend für dich sein, insbesondere bei Nachtschichten und wechselnden Schichtplänen.  

Es ist wichtig, dass sowohl Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Vor- und Nachteile der Schichtarbeit verstehen und Maßnahmen ergreifen, um die negativen Auswirkungen zu minimieren und die positiven Aspekte zu maximieren. 

Diese Arten von Schichtarbeit gibt es 

  • Vollkontinuierliche Schichtarbeit: Im vollkontinuierlichen Schichtmodell läuft der Betrieb rund um die Uhr: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Du arbeitest in Früh-, Spät- und Nachtschichten. Das System wird auch als Wechselschicht bezeichnet, da du und deine Kollegen nach einem festen Plan in einem regelmäßigen Rhythmus arbeiten. Jeder hat seine Schichten, und zwischen ihnen liegen freie Tage, die als Freischicht bezeichnet werden. 
  • Teilkontinuierliche Schichtarbeit: Im teilkontinuierlichen Schichtmodell wird täglich rund um die Uhr gearbeitet, jedoch nur an 5 Tagen in der Woche – normalerweise ruht der Betrieb am Wochenende. Es gibt Früh-, Spät- und Nachtschichten wie im vollkontinuierlichen Modell. 
  • Teil kontinuierliches Schichtmodell ohne Nachtschicht: Wenn du nach dem teilkontinuierlichen Schichtmodell ohne Nachtschichten arbeitest, läuft der Betrieb nicht rund um die Uhr. In diesem Fall entfällt die Nachtschicht. Trotzdem kann es sein, dass du an den Wochenenden arbeiten müssen, zum Beispiel in Callcentern, Servicehotlines oder Flughafen-Einzelhandelsgeschäften. Hier unterscheidet man auch nach der Anzahl der Schichten.  

5 Tipps für Schichtarbeiter und Schichtarbeiterinnen

Deine erste Schichtarbeit steht bevor und du weißt nicht, was auf dich zu kommt? Wir haben 5 Tipps für dich.

Tipp 1: Helles Licht

Indem du deinen Arbeitsplatz so hell wie möglich gestaltest, kannst du deinem Körper dabei helfen, wach zu bleiben.

Tipp 2: Wenig Kaffee

Möchtest du unbedingt Kaffee trinken, bietet sich das einige Stunden vor der Nachtschicht an, denn Kaffee braucht einige Zeit, bis er wirkt. Zum Ende der Nachtschicht solltest du jedoch keinen Kaffee mehr zu dir nehmen, sonst kann er dich vor dem Einschlafen hindern. Trinke lieber ein kühles Glas Wasser oder einen wärmenden Tee.  

Tipp 3: Viel Bewegung

Anstatt Kaffee hilft es dir, dich zu bewegen. Insbesondere wenn du spürst, dass deine Energie nachlässt und Müdigkeit einsetzt, ist es ratsam, aufzustehen und dich zu bewegen. Dehne dich, mache einen kurzen Spaziergang, und wenn es möglich ist, atme einmal tief durch und hole dir frische Luft. 

Tipp 4: Konstante Beschäftigung

Vermeide Leerlauf, da Passivität und Warten oft Müdigkeit verursachen. Wenn du beispielsweise auf deinen Einsatz wartest, beschäftige dich mit kleinen Aufgaben. In vielen Betrieben übernimmt die Nachtschicht Aufgaben, die tagsüber nicht erledigt werden können. 

Tipp 5: Leichte Kost

Verzichte darauf, schwere Mahlzeiten während der Nachtschicht oder kurz davor zu essen, da sie deinen Körper mit der Verdauung beschäftigen können. Dies kann zu Müdigkeit führen und dich in ein "Schnitzelkoma" versetzen. Wähle stattdessen leichtere Optionen wie Salat, Joghurt, Quark und ähnliches. 

Hier findest du noch mehr Tipps rund um den Schichtdienst.  

Fazit: Ein anspruchsvolles Arbeitsmodell

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schichtarbeit eine komplexe Arbeitsform ist, die Vor- und Nachteile mit sich bringt. Trotz der Herausforderungen bleibt sie in vielen Branchen unverzichtbar. Es ist wichtig, die Belastungen zu erkennen und Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu ergreifen.