Nebenjob während der Ausbildung - geht das?

Finanzielle Unabhängigkeit oder Überlastung? Erfahre in unserem Artikel, ob ein Nebenjob während der Ausbildung eine gute Idee ist und welche Auswirkungen er auf deine staatlichen Unterstützungen haben kann. Finde heraus, welche rechtlichen Rahmenbedingen du kennen musst und welche Vor- und Nachteile ein Nebenjob mit sich bringt. Lass dich von unseren Tipps und Ratschlägen inspirieren, um die beste Entscheidung für deine berufliche Zukunft zu treffen. 

Frau wischt einen Tisch als Kellnerin ab
Ist ein Nebenjob das Richtige für dich? Bildquelle: Adobe Stock.

Deswegen sind Nebenjobs während der Ausbildung sinnvoll

Nebenjobs können für dich als Auszubildender eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglichen es dir, zusätzliches Geld zu verdienen und finanziell unabhängiger zu sein. Dadurch kannst du deine Ausbildungskosten decken oder persönliche Ausgaben finanzieren. Nebenjobs bieten dir auch die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und dein berufliches Netzwerk zu erweitern. Zudem kannst du durch einen Nebenjob deine organisatorischen Fähigkeiten verbessern und lernen, deine Zeit effektiv zu managen. Es ist jedoch wichtig, dass dein Nebenjob nicht deine Ausbildung beeinträchtigt und deine Leistung als Auszubildender nicht darunter leidet. 

Ist ein Nebenjob während der Ausbildung überhaupt möglich?

In den meisten Fällen stellen Ausbildung und Nebenjob für dich kein Problem dar. Du solltest jedoch einige Punkte beachten, wenn du als Auszubildender über einen Nebenjob nachdenkst. Neben der Anzahl der Arbeitsstunden ist es wichtig, dass du berücksichtigst, wo du arbeitest, wie viel du verdienst und was in deinem Ausbildungsvertrag festgelegt ist. Außerdem darfst du neben der Ausbildung nur dann Geld verdienen, wenn deine Leistung als Auszubildender nicht darunter leidet. 

Rechtliche Rahmenbedingungen, an die du dich halten musst

Rechtliche Rahmenbedingungen für einen Azubi-Nebenjob werden in rechtliche und finanzielle Aspekte aufgeteilt. Beachte dabei vor allem diese Punkte:  

Informationspflicht gegenüber deinem Ausbildungsbetrieb

Wenn du einen Nebenjob ausüben möchtest, musst du deinen Ausbildungsbetrieb vorher darüber informieren und seine Zustimmung einholen. Es ist deine Pflicht als Azubi, deinem Arbeitgeber diese Informationen mitzuteilen. Es kann jedoch vorkommen, dass dein Arbeitgeber dir den Nebenjob untersagt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn er der Meinung ist, dass deine Ausbildungsziele gefährdet sind oder der Nebenjob ein zu hohes Verletzungsrisiko birgt. Es ist auch möglich, dass dir dein Arbeitgeber verbietet, einen Nebenjob bei einem konkurrierenden Unternehmen anzunehmen. Beachte bitte, dass es ratsam ist, vorher einen Blick in deinen Ausbildungsvertrag zu werfen. Nur wenn Nebentätigkeiten dort erlaubt sind, kannst du überhaupt einen Nebenjob während deiner Ausbildung ausüben. 

Regeln für Arbeitszeiten

Auch die gesetzlichen Regeln bezüglich deiner Arbeitszeiten musst du beachten und einhalten.  

  • Für minderjährige Auszubildende gilt eine wöchentliche Arbeitszeit von maximal 40 Stunden, aufgeteilt auf höchstens 8 Stunden an 5 Werktagen.  
  • Volljährige Auszubildende dürfen hingegen bis zu 48 Stunden pro Woche arbeiten, mit einer Höchstgrenze von 8 Stunden an 6 Werktagen.  
  • Unabhängig vom Alter müssen alle Auszubildenden eine Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen dem Ende und dem Beginn ihrer Dienste einhalten. Das bedeutet, dass du nach einem vollständigen Arbeitstag mindestens 11 Stunden Pause benötigst, bevor du erneut arbeiten darfst. Diese Zeit ist normalerweise die Zeit, die du nach Feierabend zu Hause verbringst.  

Beachte bitte, dass die Arbeitszeiten deiner Ausbildung und deines Nebenjobs zusammengezählt werden. Auch die Zeit, die du in der Berufsschule verbringst, gilt als Arbeitszeit. Daher ist es für volljährige Auszubildende eher sinnvoll, einen Minijob während der Ausbildung anzunehmen. Minderjährige Auszubildende dürfen nur an fünf Tagen arbeiten und ihre Arbeitszeit endet um 20 Uhr, was kaum Raum für eine Nebentätigkeit lässt. Wir möchten dir dringend davon abraten, deinem Nebenjob während deines Urlaubs nachzugehen. Denn der Urlaub dient der Erholung und gemäß § 8 des Bundesurlaubsgesetzes darfst du in dieser Zeit keine Tätigkeiten ausüben, die dem Zweck des Urlaubs widersprechen. 

Regeln für Einkommen und Versicherung

Es gibt eine einfache Möglichkeit, neben deiner Ausbildung Geld zu verdienen, ohne Steuern oder andere Abgaben zahlen zu müssen: einen Minijob auf 520 €-Basis (Stand 2023). Die genauen Regelungen sind wie folgt: Du hast einen nicht-versicherungspflichtigen Minijob, wenn du maximal 6.420 € im Jahr verdienst. Dabei darfst du in bis zu 3 Monaten mehr als 520 € verdienen. Überschreitest du diese Grenzen, hast du keinen Minijob mehr und es werden Versicherungsbeiträge von deinem Gehalt abgezogen. Zudem bist du von Steuern befreit, wenn dein Einkommen im Jahr maximal 10.908 € beträgt (Stand 2023). Verdienst du mehr als den Grundfreibetrag, musst du zusätzlich Einkommenssteuer zahlen. 

Freibeträge bei staatlicher Unterstützung

Als Auszubildender hast du möglicherweise Anspruch auf verschiedene staatliche Unterstützungen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich die Umstände ändern können, wenn du einen Minijob neben deiner Ausbildung annimmst. In einigen Fällen lohnt sich ein Nebenjob möglicherweise nicht. Hier sind einige Punkte, auf die du achten solltest: 

  • Kindergeld: Bis zu deinem 25. Lebensjahr hast du Anspruch auf Kindergeld, unabhängig von deinem Verdienst. Je nach Anzahl deiner Geschwister beläuft sich das Kindergeld auf 219 bis 250 € pro Monat. Wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst, kannst du auch beantragen, dass das Kindergeld direkt an dich ausgezahlt wird. 
  • BAföG: Solange dein Einkommen aus dem Nebenjob unter 520 € im Monat bleibt, hat dies keinen Einfluss auf dein BAföG. Verdienst du jedoch mehr als bei einem Minijob, wird dein BAföG automatisch gekürzt. 
  • Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Wenn du während deiner Ausbildung Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) erhältst, solltest du sorgfältig abwägen, ob sich ein Nebenjob lohnt. Hier wird ein Freibetrag von 255 € netto auf deinen Minijob angerechnet. Das bedeutet, dass die Differenz zwischen deinem Verdienst im Nebenjob und diesem Freibetrag von deiner BAB abgezogen wird. 

Es ist also wichtig, die Auswirkungen eines Nebenjobs auf deine staatlichen Unterstützungen zu berücksichtigen, bevor du dich dafür entscheidest. 

Vor – und Nachteile eines Nebenjobs während der Ausbildung

Ein Nebenjob während der Ausbildung kann sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Hier sind einige Punkte, die du beachten solltest: 

Vorteile eines Nebenjobs während deiner Ausbildung

  • Zusätzliches Einkommen: Ein Nebenjob ermöglicht es dir, dein Einkommen aufzustocken und finanziell unabhängiger zu sein. 
  • Praktische Erfahrungen: Durch einen Nebenjob kannst du praktische Erfahrungen sammeln, die dir in deiner Ausbildung von Nutzen sein können. 
  • Erweiterung des Netzwerks: Ein Nebenjob bietet dir die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und dein berufliches Netzwerk zu erweitern. 
  • Entwicklung von Soft Skills: Durch den Nebenjob kannst du deine Soft Skills wie Teamarbeit, Kommunikation und Zeitmanagement verbessern. 

Nachteile eines Nebenjobs während deiner Ausbildung

  • Zeitliche Belastung: Ein Nebenjob kann zusätzlichen Stress und eine höhere Arbeitsbelastung mit sich bringen, was sich negativ auf deine Ausbildung auswirken kann. 
  • Vernachlässigung der Ausbildung: Wenn der Nebenjob zu viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt, besteht die Gefahr, dass du deine Ausbildung vernachlässigst und nicht die gewünschten Leistungen erbringst. 
  • Konflikte mit dem Arbeitgeber: Es kann vorkommen, dass dein Arbeitgeber im Nebenjob nicht flexibel genug ist, um deine Ausbildungszeiten zu berücksichtigen, was zu Konflikten führen kann. 
  • Erschöpfung und fehlende Freizeit: Ein Nebenjob kann dazu führen, dass du weniger Freizeit hast und dich erschöpft fühlst, da du zwischen Ausbildung und Arbeit hin- und herwechseln musst. 

Es ist wichtig, die Vor- und Nachteile eines Nebenjobs während der Ausbildung sorgfältig abzuwägen und sicherzustellen, dass du die richtige Balance zwischen Arbeit und Ausbildung findest. 

Fazit: Vor- und Nachteile abwägen und auf Rahmenbedingungen achten

Insgesamt lässt sich sagen, dass ein Nebenjob während der Ausbildung sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Es ist wichtig, die individuellen Umstände und finanziellen Unterstützungen wie Kindergeld, BAföG oder BAB zu berücksichtigen, um die Auswirkungen eines Nebenjobs richtig einzuschätzen. Ein Nebenjob kann zusätzliches Einkommen bieten, praktische Erfahrungen ermöglichen und das berufliche Netzwerk erweitern. Allerdings besteht auch die Gefahr einer erhöhten Arbeitsbelastung, Vernachlässigung der Ausbildung und Konflikten mit dem Arbeitgeber. Die richtige Balance zwischen Arbeit und Ausbildung zu finden, ist entscheidend, um die beste Entscheidung für die eigene berufliche Zukunft zu treffen. Es empfiehlt sich, die Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen und gegebenenfalls Rücksprache mit den zuständigen Behörden oder Beratern zu halten, um die Auswirkungen auf staatliche Unterstützungen zu klären. Letztendlich hängt die Möglichkeit eines Nebenjobs während der Ausbildung von den individuellen Umständen und Zielen ab.

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